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Der Anfang · 1913-09-01 · Heft 5 (September 1913) · p. Seite 134

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 5 (September 1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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Jugend ein: sie legt diesen ihren natürlichen, höchsten Maßstab an alle Dinge an, und alle Dinge werden problematisch. In der Jugend problematisiert — und verjüng! — sich immer die ganze Kultur. Das liegt tief begründet in der ganz besonderen, ausgezeichneten Stellung der Jugend innerhalb der Menschheit. Die Jugend — das ist der Menschheit jeweils zweckfreiester, reinster Teil. Käme ein Engel Gottes zur Erde, um den Menschen zu erspähen, der seinem eigenen Ebenbilde am meisten entspräche, wen anders könnte er wohl erwählen als den jungen Menschen, der gerade auf sein hohes Ziel hinstrebt und nodi das Rücksichtnehmen auf Dinge und Menschen nicht gelernt hat? Die Jugend, die die Werte bejaht hat, ist ganz milieulos; sie kennt — theoretisch — nichts außcr-wertliches, das sie einengt. Sie hat ihr Herz noch nfcht an Einzclwerte, wie Beruf, Familie, usw. verschenkt; sie sieht die Werte noch im Komplex und kann die bestehende Kultur an ihnen messen. Aber: „Wartet nur, bis ihr älter werdet und ins Leben tretet, ihr werdet dann über manches noch anders denken", sagen die Alten, ohne zu begreifen, daß dieses Noch-n icht-anders-denken gerade der unendliche Vorrang, die kosmische Mission der Jugend ist. Dächte die Jugend schon wie „reife" Menschen tun, es wäre schlecht um die Erneuerung der Welt bestellt. Zwischen den Reifen und der Welt liegt immer ein Fremdkörper: das „Leben". Das Leben, dieser außer-wertlidi und irrationale Faktor, der die Menschen formt, anstatt daß die Menschen es formten. Hier ist ja gerade der Vorsprung der Jugend; sie steht-noch nicht in diesem Leben, von dem die älteren jammernd bekennen, es habe ihnen die Ideale ihrer Jugend geraubt. Sie lebt wie die Lilien auf dem Felde; nie wieder ist der Mensch so göttlich frei als in seiner Jugend. Da wird er nodi nicht bestimmt von wirtschaftlichen Zwecken, vom Milieu des Daseinskampfes, vom „Ernste des Lebens". In diesem unnatürlichen Daseinskampfe der Menschen finden ja gerade die höchsten Werte, die der Menschheit anvertraut sind, Güte, Schönheit und Wahrheit, keinen Platz; zur Jugend — und zu den Idealisten, das sind die dauernd Jugendlichen — muß das Göttliche sich retten, um auf Erden eine Zuflucht zu haben, eine Stätte, wo es in seiner Größe rein und schrankenlos erkannt wird. Von der Höhe ihres Noch-nicht-darin-stehens aber will die Jugend 134

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