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Der Anfang · 1913-08-01 · Heft 4 (August 1913) · p. Seite 119

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 4 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 119 (sequence 23)
Language
German
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eine Arbeit auf „Sehr gut" zu liefern. Dabei steigt immer mehr die Arroganz, mit der man in lächerlicher Täuschung seinem oberflächlichen Zeug selbst Bedeutung beimißt. Immer unverschämter und selbstbewußter wird man, unbedenklich schreibt man die unbeweisbarsten Dinge in dem sicheren Bewußtsein: „er merkts ja doch nicht!" Und gewöhnt sich so allmählich, wenn nicht direkt an Lüge, so doch an Leichtsinn und Mangel an Verantwortlichkeit, statt daß man mit der Achtung vor Meinungen und naturlich auch vor der eigenen, so weit sie ehrlich ist, auferzogen würde. — :f: * Eine der allcrverfehltesten Formen des deutschen Aufsatzes, die alle sein :» Nachteile in; krassester Weise zeigt, ist die Schularbeit (Schularbeit - Klassenaufsatz). In 50—70 Minuten soll eine Arbeit in Anlehnung an (ielesenes oder frei geschrieben werden. Wie scharf aber treten die Schäden hervor — die Denkfaulheit, das Schwätzen, die Arroganz, der Feuilletonismus, der Mangel an Achtung vor dem Gedanken, dem Ernst einer Meinung — wenn eine Arbeit in einer Zeit geliefert werden soll, in der nicht der geübteste Denker sie erfassen könnte? Dies ist so selbstverständlich, daß es mir unnötig erscheint, näher darauf einzugehen. Sollte die Schularbeit aber nur beibehalten werden, um den „Schwindel" zu hindern, so wäre das allein Armutszeugnis genug für die ganz Methode des Deutschunterrichts'. Wenn die Schule sich doch klar würde, daß es in allem für den Schüler nicht so sehr auf das Resultat, als auf den Denkprozeß, die Methode, ankommt. Die Auffassung, die idh von Hauptmanns versunkener Glocke, von Posa, vom Parzenlied haben soll, vergesse ich, selbst wenn sie noch so richtig ist, wenn sie nicht so ist, daß ich sie selbst hätte gehabt haben können. Aber w enn die Schule mich langsam, vom Kleinsten zum Größten gehend, zum Denken als solchem erzogen hätte, so hätte sie mir zweierlei gegeben: die Gedanken, denn was man sich selbst Mar gemacht hat, geht einem nicht mehr verloren, und die Denkmethode. 119

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