Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (August 1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 118 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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des Schülers der Zweck. Darum geben sie „Sehr gut" auf Arbeiten, welche gewisse Eigenschaften aufweisen, die dem betreffenden Lehrer im allgemeinen sympathisch sind: Länge Knappheit große Gedanken, große Worte Einfachheit Frische Subjektivität — Objektivität. Die Arbeit wird nach dem persönlichen Geschmack und nach einem ganz unangebrachten absoluten Maßstab beurteilt. (Wir hatten einen Lehrer, der nur subjektive Arbeiten liebte. Er förderte dadurch eine gewisse flache, feuilletonistische, affektierte Art, und verhalf uns förmlich — besonders wo irgend eine Anlage vorhanden war — zu falschen Perspektiven in betreff der diversen „Individualitäten/4 — Ein anderer Lehrer vertrat die andere Auffassung, daß wir objektiv, völlig objektiv über alle diese Dinge reden sollten, von denen wir nichts verstanden: „Die Erweiterung des Gesichtskreises treibt die Gedanken zur Umbildung", „Kultur ist bald konservativ, bald fortschrittlich" usw.) Hier herrscht eben wieder der Gedanke: Nicht du sollst denken lernen, sondern es soll etwas mehr oder minder erträgliches geschrieben werden. Das allgemeine Prinzip des Respektes vor der Arbeit als Ganzes schließt jede fruchtbare Korrektur aus. Es wird die ganze Arbeit mit „Sehr gut" oder „Gen." bezeichnet, ohne daß der Schüler sich über seine speziellen Vorzüge und Fehler im Klaren ist.-Wollte man konsequent von der Anschauung ausgehen, den Arbeiten den absoluten Wert abzusprechen ihnen hingegen den, der U e b u n g des Schillerst zu dienen, wirklich einräumen, so müßte man überhaupt keine Gesamtnoten geben, sondern könnte durch Bemerkungen am Schluß über Stil, Logik seinem Urteil Ausdruck geben. — Ich konnte in der Beurteilung nie einen Unterschied konstatieren zwischen Arbeiten, die mich interessiert hatten, und solchen, die ich in kürzester Zeit hingefetzt hatte. Es war immer „Sehr gut". Hingegen getraue ich mich, allgemeine Rezepte aufzustellen, deren verständnisvolle Befolgung bei den verschiedenen Lehrern gute Noten eintragei» muß. — Die Nachteile aber steigern sich, je älter man wird. Immer schwerer wird es, das ernste Nachdenken, mit dem man ja doch am Anfang jeder Arbeit entgegenkommt, zu vereinen mit dem Wunsche, den Lehrer zu bluffen, seine „Bildung" anzubringen, kurz, 118