Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (August 1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Arbeiten der höheren Klassen. Da rücken sie an, in großem Zuge, die „gedanklichen" Arbeiten. „Wer wollte sich mit Grillen plagen, solang noch Lenz und Jugend lacht" V. KL „Wir sind die Schuldner vergangener Jahrhunderte", „Bücher können uns wohl gelehrt, aber nicht zu Menschen machen." VI. Kl. (!) „Der Lorbeer ist, wo immer er erscheint, ein Zeichen mehr des Leidens als des Glücks." VII. Kl. „Unser Wissen ist Vermutung und unser Tun ist Streben/' VIII. Kl. (Schularbeit!!). Wie jeder sieht, sind das Themen, die in ihrer Allgemeinheit vom Hundertsten ins Tausendste führen. Nun liegt es, glaube ich, den meisten jungen Menschen von Natur aus sehr, in allem die Verallgemeinerung, die Weltanschauung zu suchen, jede Anregung gleich durch ein geistiges Band mit früheren Angregungen zu verknüpfen, und so geht durch jede Arbeit ein Strom von philosophischen Beziehungen, von historischen Ueberblicken, speziellen und allgemeinen ethischen Regeln usw. Man könnte erwidern, diese Art komme doch dem Gedankenkreis des jungen Menschen entgegen, bringe Klarheit in das Wirrsal, rege ihn zum Denken an. Es kann aber nicht die Rede von einem Gewinn durch wirkliches Klarwerden mittels Aussprechen sein, (dafür ist das Thema zu vage und fernliegend) ebensowenig von dadurch angeregten selbständigen Gedanken, denn die gedankliche Arbeit des Schülers besteht bei solchen Aufsätzen hauptsächlich darin, seinen momentanen Gedankenkreis in die Arbeit hineinzuziehen. Das Wesentliche, der ursprüngliche Gedankenkreis, erfährt erst recht keine Klärung, denn dazu wird zu oberflächlich, zu arrogant, zu wenig ehrlich vorgegangen. Man strebt vor allem nach irgend einer großartigen Auffassung, die man durchaus nicht verstehen oder gar haben muß, nach großen Worten, von denen man blutwenig weiß, und man scheut sich gar nicht, etwas zu sagen, was man nicht glaubt, wenn es sich gut macht oder um zwischen zwei unvereinbaren Dingen eine Notbrücke zu schlagen. Und weshalb wird so vorgegangen? Hier komme ich auf die peinlichste Frage. Die Wahl der Themen, wenn auch noch so ungeeignet, könnte keinen so entscheidenden Schaden stiften, ohne die Art, wie die Professoren die Aufsätze beurteilen. Sie urteilen so, als wäre die Arbeit an sich und nicht die geistige Entwicklung 117