Mannheim
Compact Memory

Der Anfang · 1913-08-01 · Heft 4 (August 1913) · p. Seite 109

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 4 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2709933-3186105-3186110--218-3186259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

notwendigen Gebiete von dem überflüssigen, hemmenden, geistlosen „Pensum" erdruckt werden. Wir rechnen in Mathematik monatelang Zinseszins- und Rentenaufgaben: „Eine Schuld von 10000 Mark soll in vier Jahren amortisiert werden usw. . . Dieser Teil des Mathematikpensums wird meistens angeführt, wenn der praktische Wert des Mathematikunterrichts erwiesen werden soll. Nun frage ich euch, meine liebe Kameraden: wer von euch weiß, wie man größere Geldsummen bezahlt? Wer von euch versteht es, einen Scheck oder Schuldschein auszuschreiben? Wer kennt sich in einem Kurszettel aus? Wer von euch weiß Bescheid im Hypotheken- oder Versicherungswesen? Lauter solche Sachen werden bei dem Unterricht zum „Sch'mackhaftmachen" herangezogen. Aber sie bleiben Begriffe, mit denen die wenigsten die Vorstellung der Ausführungsweise verbinden. Und doch sind! das Sachen, die man im Leben täglich braucht. Ich komme zur Geschichte: „Wer weiß, was in unserm Bürgerlichen Gesetzbuch steht? Wer ahnt, wie leicht er gegen das Strafgesetzbuch verstoßen kann? Wer weiß, woher alle diese Gesetze stammen?" Ich glaube, daß ich nur wenig Auskunft bekommenwerde. Statt dessen lernen wir auswendig, welche Armeekorps bei Gravelotte standen, belasten unsern Kopf mit endlosen Reihen von Zahlen und plappern in den Stunden Daten vermischt mit nichtssagenden Phrasen her, die uns in der vorhergehenden Stunde der Geschichtslehrer vorsprach. Dieser Punkt wird noch lange ungeändert bleiben. Es liegt gar nicht im Interesse des Staates, ans» seinen Schilden Leute hervorgehen zu lassen, die politisch selbständig denken können. Im Gegenteil! Und doch ist das für die Zukunft unseres Volkes so wichtig. Wir brauchen eine denkende und handelnde, nicht eine stumpfsinnige, dogmennachplappernde Bevölkerung! Ich höre jetzt einen Einwand: „Ja, dazu ist eben das Elternhaus da." Dieser Einwurf hätte seine Berechtigung, wenn die Schute nur unterrichten wollte, unterrichten in bestimmten Lehrfächern. Aber die Sdmle will ja mehr; sie will nicht allein unser Wissen^ sondern auch unser Denken, unser Fühlen und Empfinden bereichem und beeinflussen. Da ist z. B. der Religionsunterricht, dessen Programm ja außer bestimmten Kenntnissen auch eine geistig^innerlidie Beschäftigung; 109

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.