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Der Anfang · 1913-08-01 · Heft 4 (August 1913) · p. Seite 104

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 4 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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Seelenfeigheit Von einer Kameradin, Berlin. Wir alle, die Hilfe und Führerschaft von den Erwachsenen ersehnen, die die augenblickliche Not der Jugend empfinden, die mit starkem Willen einmal daran mitarbeiten wollen, daß es der späteren Generation nach unserem Sinne besser geht, wir alle laufen aneinander vorüber und brauchen uns doch so sehr! Wir wollen zueinander kommen und können es nicht! Wie wollen wir einmal den andern helfen, wenn es so viele unter uns gibt, die jetzt nicht einmal diejenigen verstehen, die mit ihnen in derselben Periode sind! Wir haben ja doch alle das gleiche Erleben! Warum ist zwischen uns eine so hohe Mauer, warum so wenig Verstehen, warum diese furchtbare Scheu statt vieler Liebe, statt der gegenseitigen Hilfe durch gemeinsames Denken und Handeln, nach der wir uns Nächte hindurch sehnen? Damit dieser heiße Hunger nach den Menschen gestillt werde, müssen wir alle versuchen, uns das zu sein, was wir xins alle so sehr wünschen. Wenn wir mehr Mut hätten, zueinander zu kommen, mehr Liebe zu den Menschen überhaupt, mehr Güte im Verständnis, dann wäre unsere Not ja nicht halb so groß. Wir können ja einander helfen! Warum kommt nicht einer zu dem andern mit seinen Gedanken ohne diese große seelische Scham, ohne auf konventionelle Art bekannt zu zu sein, warum fühlen wir uns untereinander nicht so eins, daß wir Freunde werden, weil einer an dem andern Gefallen findet und zw ihm Vertrauen hat? Wenn man in der Menge der Straßen nui) Fremde sieht und suchend geht und wüßte da ein oder zwei junge Menschen, die einem Freunde sein könnten, dann wäre <3as Leben noch einmal so reich! Unsere Zeit der Förmlichkeiten ist trotz alledem eine formlose Zeit. Eigene Formen der Jugend müssen erst durch uns geboren werden. Darum — Ihr alle, die mit mir jung seid und sein wollt, mehr Mut, Liebe und Verständnis für einander, ohne Konvention und falsche seelische Scham! 104

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