Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (Juli 1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 82 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinn, Rechte zu fordern, ohne gleichzeitig auch Pflichten zu übernehmen. Wenn jemand fordert, als wertvoll anerkannt zu werden, so muß er auch den Willen haben, wertvoll zu sein, sonst ist seine Forderung nur leere Phrase. Meine Klasse^ C. F. H e i n I e. Das Jahrhundert des Kindes ist im wesentlichen leeres Wort geblieben. Unbekümmert geht in Schule und Haus die alte Wirtschaft weiter. Durch die nachlässige Sprechweise von Ammen und Dienstmädchen ,wird das Ausdrucksorgan des Kindes frühzeitig verdorben. Ein gräßliches r, das beinahe im Magen gesprochen wird, und quietschende Verliebkosungen der Worte füllen sein kleines Ohr. Kaum hat es sich etwasi befreit und Kameraden gefunden, so wird es in die Schule gesteckt. Ein Mann mit Manieren wie ein Bauer hat einen verschlissenen Konfirmaiionsrock an; wenn er in Begeisterung gerät, spuckt er über drei Bänke. Man hat ihn nie auf seine jKultur geprüft. Formulierte Gedanken hat er in sein Gehirn gepaukt zum Examen, dann läßt man ihn los auf die kleinen Kinder: dort kommt es nicht so darauf an. Diese Gedanken sind eigentlich nur für die älteren Schüler da, es sind Dinge aus einem freien Reiche des Geistes, wesenlos und ohne Anschauung, man bemüht sich, sie zu formulieren, wie man es gelernt hat. Der Lehrer also hat den Gedanken, dieser soll den Kleinen angepaßt werden, jeder Mensch weiß nun, daß Gedanken in diesem Aller sich nicht übertragen lassen anders als gefühlsmäßig, nichtsdestoweniger versucht es der Lehrer. Denn es ist kein Gedanke, der sein Inneres füllt, den er Iiier lehren soll, er ist nicht ein Teil seiner selbst; eigentlich geht er ihn nichts an, er braucht ihn eben nur für die Schulkinder, und er lächelt darüber, wenn er zuhause sitzt. Außerdem sind seine Gefühlsorgane durch Entbehrungen und Kriechereien verkrüppelt. Er ist unfähig, mit seinen Schülern in Kontakt zu kommen. Seine Isolierung fühlend, schwingt er sich auf das hohe Pferd vor ihnen. *) Zu diesem Aufsatz, sowie ein für allemal zu allen ähnlichen, bemerken wir, daß wir ihn lediglich als Ausdruck einer ganz subjektiven Stimmung und Auffassung wiedergeben. Die Redaktion. 82