Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (Juli 1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 81 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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das Spiel hat für sie seinen Wert in sich selbst. Deshalb besitzt sie in hohem Grade die Fähigkeit, überhaupt an Dinge, die ihren Wert in sich selbst tragen, die Selbstzweck sind, — an absolute Werte zu glauben, d. h. die Fähigkeit zur Kultur. Der Weg vom Spiel zur Kunst ist nicht weit, ist doch die Kunst ihrem Wesen nach ein gesteigertes, edleres Spiel, und wenn die Jugend einmal die Kunst entdeckt hat, wird sie sich ihr mit Begeisterung hingeben, s"ie wird ahnen, daß die Teilnahme an den Werken der Kultur ihrem Leben Sinn und Ewigkeit geben kann. Die Jugend ist allerdings nicht fähig, allein und ohne Hilfe eine Kultur zu schaffen, ihre Aufgabe ist es hauptsächlich, unter Führung Erwachsener Kultur aufzunehmen, und ihr Wert beruht zum großen Teil auf ihrer von Vorurteilen unberührten Aufnahmefähigkeit und ihrer Begierde, alles, was ihr als wertvoll erscheint, sich zu eigen zu machen, die ganze Welt im Geist zu umfassen. Da ihre Tätigkeit durch keinen Beruf begrenzt wird, kann sie dieser Begierde ungehindert folgen und wird durch sie ganz von selbst zur Kunst und Wissenschaft geführt, weil diese allein gleichzeitig ihren Trieb zum „Spiel", zu einer Tätigkeit, die nicht durch praktische Rücksichten bestimmt ist, sondern ihren Wert in sich selbst trägt, und ihre Sehnsucht nach etwas Höherem befriedigen. Diese beiden Züge sind für die Jugend charakteristisch, durch sie unterscheidet sich die Jugend von der Mehrzahl der Erwachsenen, und die aus ihnen entspringende Fähigkeit zur Kultur macht den eigentümlichen Wert der Jugend aus. Hiermit soll nicht gesagt sein, daß diese Eigenschaften allen Erwachsenen fehlen, aber fast alle Erwachsenen sind in der Hauptsache produktiv oder erwerbend, während nur die Jugend in der Hauptsache aufnehmend ist. Darauf beruht ihr spezifischer Wert, aber auch ihre Aufgabe. Ihr wird die Kultur von der vorhergehenden Generation anvertraut, damit sie sie aufnehme und weiterbilde. Die Jugend beginnt jetzt, sich ihres Wertes bewußt zu werden und seine Anerkennung seitens! der übrigen Menschheit zu fordern. Diese instinktive Erkenntnis1 ihres Wertes genügt aber noch nicht, sie muß sich auch klar werden, worauf dieser Wert beruht, sie muß sich ihrer Fähigkeit zur Kultur bewußt werden, sie muß ihren latenten Wert in wirklichen Willen zur Kultur umsetzen. Es hat keinen 81