Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (Juli 1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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längst der Jacke entledigt habe! Die hellen Schweißtropfen stehen mir auf der Stirn. Gerade als müßte ich auf einer Konferenz; der neuen Jugend eine hitzige Debatte ausfechten. Und dabei schlage ich! midi doch nur mit meinen eigenen Gedanken herum, die längst in mir schlummerten und die dies grüne Heft in mir geweckt. — — Wie ich mir den Professor denke? Der Professor, wie ich ihn mir denke, muß vor allem jung sein, — was aber nicht ausschließt, daß er weiße Haare haben Kann. Und er muß Lebenserfahrung haben, die tiefe, fröhliche Lebensweisheit, die mir noch fehlt — Ob er ein Idealist oder ein Realist sei? Verfängliche Frage! Beides ist er: ein idealistischer Realist. D. h. er steht mit beiden Füßen fest auf dem Erdboden, ist aber nicht darauf festgeleimt. Weiten, jugendlichen Herzens nimmt er alles Schöne und Heitere auf der Erde froh in sich auf. übersieht aber auch1 das Unzulängliche und Verkehrte nicht. Und — was das Allerwichtigste ist —: er hat eine tiefe, heiße Liebe zu seinen Jungens im Herzen ~ und sie auch zu ihm. Nach dein allen konnte mau siclr eigen!lieh schon denken, wie dieser ideale Lehrer unterrichten wird. Vor allem wird er ein erbitterter t eind sein aller toten Buchstäbelei und alles verknöcherten Stfiulmcistcrtmns. Alle lebendige Wissenschaft aber wird er hoch und heilig halten, doch ohne sie zu vergöttern. Denn er weiß recht gut, daß Bücher allein nie einen ganzen Menschen machen können. Er wird auch dafür sorgen, daß keinem seiner Juugens Scheuklappen angelegt werden. Sein Unterricht wird stets heiter, lebendig und interessant sein, die Weisheit wird ganz frisch und ursprünglich aus seinem l ierzeu hervorquellen, - denn sein Wissen ist ihm nicht etwas Aeußerliches, Angelerntes, seinem eigentlichen Wesen Fremdes, sondern ist innig verquickt damit, ist ihm innerstes Herzenseigentnin. Und was vom Herzen kommt, das geht auch wieder zum Herzen. Seine Schüler brauchen nicht mehr den Zeitpunkt herbeizusehnen, da sie das Wissen abschütteln können als einen lästigen Hallast. Sie werden vielmehr herzliche Freundschaft schließen mit der Weisheit Denn alle echte Weisheit ist licht und froh wie Morgensonneiisehein. Alle bloß angelernte Weisheit aber macht Schulmeister und Stubengelehrte mit Scheuklappen. Sie wird <*infür allemal verbannt sei» aus der Schule der Zukunft denn wie vereinigen sich Morgen- 98