Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (Juli 1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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dankbar zurückblicke auf die Jahre, in denen . . ., und es folgen jene Phrasen, mit denen der, der es hinter sich hat, das dicke Fell sich streichelt und auf die „Jungen" herabblinzelt. Dieser Ton, mit dem ein Herr jene „idealistische Gesinnung4* zusamt der Kenntnis vieler Fremdwörter, welche das Gymnasium ihm „vermittelte", gemächlich lobt, ist uns furchtbar. Peinlich ist uns jene behäbige Sentimentalität, die noch nach vierzig Jahren an der Familientafel (zwischen Fisch und Braten) die ersten Verse der Odysee ertönen läßt. Die noch jetzt die Grammatik der Apodosiä besser beherrscht als der Sohn, der schon in Prima sitzt. Die Intimität zwischen Philisterium und dem humanistischen Gymnasium ist höchst verdächtig. Wir empfinden: weil unsere Väter so innig allerlei verstaubte Gefühle mit Plato und Sophokles verbunden haben, darum müssen wir los von solcher Familienatmosphäre des Gymnasiums. Und dennoch haben wir wohl eine Sehnsucht manche vielleicht eine Vorstellung sogar von dem, was unser Gymnasiums sein sollte. Kein Gymnasium sei es, in dem (günstigstcnfalles) Winkelimannsches Griechentum begriffen wird (denn schon lange ist die „edle Einfalt und stille Größe" zum fatalen Inventar der höheren Töchterbildung geworden). Unser Gymnasium sollte sich berufen auf Nietzsche und seinen Traktat „Vom Nutzen und Nachteil der Historie". Trotzig, im Vertrauen auf eine Jugend, die ihm begeistert folgt, sollte es1 die kleinen modernen Reformpädagogen überrennen. Anstatt modernistisch zu werden und aller Ecken eine neue, geheime Nützlichkeit des Betriebs zu rühmen. Das Griechentuml dieses Gymnasiums sollte nicht ein labelhaftes Reich der „Harmonien" und „Ideale" sein, sondern jenes frauenverachtende undmänner- Jiebende Griechentum des Perikles, aristokratisch; mit Sklaverei; mit den dunklen Mythen des Aeschylos. All dem sollte unser humanistisches Gymnasium ins Gesicht sehen. In dem dürfte dann auch' griechische Philosophie gelehrt werden, was jetzt so verboten sein müßte wie die Lektüre von Wedekind. Jetzt nämlich lernt man nach einem Handbuch, daß Thaies das Wasser für den Urstoff hielt, Heraklit aber das Feuer, Anaxagoras jedoch den Nous, dagegen Empedokles Liebe und Haß (und stürzte sich in den Aetna), Demokrit aber die Atome, und daß die Sophisten den alten Glauben zersetzten. 70