Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (Juli 1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dem gegenwärtigen Stande der Produktionstechnik in der Lage, der Frau das Haus im altgewohnten jSinne zu erhalten. Die Art der geschlechtlichen Arbeitsteilung hat sich eben Jn der Gegenwart von Grund auf umgestaltet. Deshalb ist auch das Schlagwort „Mutterschaft oder Beruf" als Anachronismus zu betrachten. Das Problem, das unserer Zeit zur Lösung gestellt ist, kann vielmehr nur lauten: Welche Verhältnisse müssen wir schaffen, um der Frau die optimale Vereinigung von Mutterschaft und Beruf zu ermöglichen?" Es ist klar, daß dieses Problem nur auf dem Gebiete des» Familienlebens selbst gelöst werden kann. Jeder Versuch1 mit äußerlichen Mitteln und Rctouchen über diese Entwickhmgskris'is hinwegzuhelfen, kann den notwendig gewordenen, innerlichen Anpassungsprozeß weder ersetzen noch aufhalten. Die Formen des Familienlebens haben sich stets den Existenzbedingungen der Zeit angepaßt (den Produktions- und Consumtionsbedingungen und ihrer Wechselbeziehungen) und werden auch heute und morgen dieser Tendenz folgen. Wie unberechenbar hat sich die Stoßkraft menschlichen Schaffens, die Möglichkeit der Arbeitsbewältigung durch (las einzelne Individuum gesteigert, seitdem die Zeit der primären Arbeitsteilung, die Zeit der €wig ^unproduktiven Produktivität" der Einzelfamilienwirtschaft uberwunden ist. Immer aktiver kann und muß der einzelne Mensch werden. Immer weniger Ballast verträgt die menschliche Gesellschaft innerhalb jhres Gemeinschaftslebens. Immer unerträglicher wird der Zustand, der eine ganze Hälfte der Menschheit zur Passivität verurteilt. — Und darum wird auch noch das letzte Uebcrbleibsel der Einzelfamilienwirtschaft verschwinden müssen, dasjenige, welches noch heute die Frau als Mutter ans Haus! fesselt und verhindert, daß sie einen Wirkungskreis findet, in dem sie at's aktives Mitglied der menschlichen Gesellschaft ihre rein menschlichen Kräfte auf rationelle Weise entfalten und! verwenden kann. Ich meine die Einzeffamilienwirtschaft auf dem Gebiete dcT Pflege und Erziehung der Kinder — den sogenannten „natürlichen" Beruf der Frau —, der unter normalen Bedingungen ihre ganze Arbeitskraft in Anspruch nimmt und verhindert, daß sie wirtschaftlich selbständig und unabhängig ist, und also auch rechtlich dem Manne gleichzustehen kommt. 67