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Der Anfang · 1913-06-01 · Heft 2 (Juni 1913) · p. Seite 55

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 2 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 55 (sequence 24)
Language
German
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reif, in ihrer Art ebenso reif wie das MannesaHer sei, leugne ich! entschieden. Ich spüre an mir selbst, wie viel Unfertiges, Unbestimmtes, Unklares noch jetzt in mir ist; ich erblicke den Wert der Jugend vor allem in dem bewußten Gefühl des Werdens, Wachsens, der Entwicklung. Ferner wird die Intelligenz der großen Masse in der Mittelschule im „Anfang" weit überschätzt Als ich in die Prima eintrat, waren wir 51, in der Oktava waren davon noch 17 übrig. Und wie wenige waren davon für eine Hoch« schule reif und doch studieren jetzt alle. Nicht jeder macht solche Gedichte wie E. K. Eleutheros. Wohl aber kann ich anderes anführen. Welchen Vereinen gehörten meine Mitschüler an? Drei Mittelschülerverbindungen, einer Marianischen Kongregation, einem Geselligkeitsverein „Die fröhlichen Sänger" (!!), einem Fußhallverein, einem Schwimmklub. Ich dürfte als einziger bei einem vernünftigen Verein (Volksbildungsverein) gewesen sein. Ein andrer Fall: Es wird eine Sammlung für ein Lessingdenkmal eingeleitet. Die Klasse von 45 Schülern voll intelligenter, ideal gerichteter Persönlichkeiten bringt für einen Vorkämpfer deutscher Freiheit und der Menschheitskultur die Riesensumme voa 1 K 60 h auf. Noch ein Beispiel: Ein für Literatur begeisterter Jüngling kennt den Inhalt von „Nathan dem Weisen" nicht. O, wenn ich überhaupt an das leere tratschende Geschwätz über Literatur und Theater denke, so graut mir davor. Schließlich noch ein Fall, der das Interesse für Wissenschaft bei einem Teil unsrer Jugend charakterisieren soll. Maturafrage: „Nennen Sie mir eine kritische Schrift Lessings". Antwort nach langem Zögern: „Miß Emilia Sampson!" Ich meine also; es wäre eine unbedingt notwendige, freilich wenig volkstümliche Aufgabe, auch derartige Dinge der Jugend vorzuhalten, damit die bewußte Kulturarbeit nicht in falsche Richtung gelenkt werde. Denn es ist eine unleugbare Tatsache, daß die Masse die Einzelnen zu sich herabzieht und entwertet. Vor allem darf aber keine Selbstgefälligkeit wachgerufen werden, die vielleicht den Willen zur Weiterentwicklung, zur Arbeit hemmen könnte, und ich fürchte, daß der Anfang gegen seine Absicht vielleicht dazu verleiten könnte. — — — — — B., stud. jur. 56

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