Mannheim
Compact Memory

Der Anfang · 1913-06-01 · Heft 2 (Juni 1913) · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 2 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 38 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2709933-3186105-3186108--146-3186185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

was halten wir von der Romantik? Haben wir sie? Kennen wir sie? Glauben wir an sie? Tausendstimmiges Lachen und ein einzjelslimmiges leidenschaftliches Nein." „Also wir verzichten auf die Romantik, wir vielleicht als die erste Jugend wollen die nüchterne Jugend sein?" Wieder ertönte es „nein", von dein nur drei oder vier ganty klare Stimmen mit ihrem „ja" sich abhoben. Da sagte ich weitem „Ihr habt mir geantwortet, und ich selber antworte mit Allen denen, die glauben eine zeitlose Jugend vor sich zu haben, eine ewig romantische, die ewig sichere, die den ewigen Weg ins Philisteriujn geht. Wir sagen ihnen: Ihr belügt uns und Euch. Mit Euren väterlichen Gesten, mit Eurer weihräuchernden Verehrung raubt Ihr uns das Bewußtsein. Ihr erhebt uns in rosige Wolken, bis wir den Boden unter den Füßen verloren haben. Dann gewärtigt Euch immer mehr eine Jugend, die in narkotischem Individualismus schläft. Das Philisterium lähmt uns, damit es allein die Zeit beherrsche; wenn wir uns aber lähmen lassen, von den ideaHschen Narkosen, dann sinken wir ihm schnell nach, und die Jugend wird die Generation der späteren Philister. Ich weiß nicht, Kameraden, aber ich fürchte, damit bin ich bei der Romantik. Nicht bei der Romantik, bei keiner wahren, aber bei einer sehr mächtigen und gefährlichen. Es ist genau dieselbe, die uns Schillers keusche weltbürgerliche Klassik zerstetzt in bequeme Gemütlichkeitspoesie für Bürgertreue und Partikularismus. Aber ich will der falschen Romantik etwas nachgehen. Sie klebt uns an auf Schritt und Tritt, und asft do£h nichts, als das fettige Kleid, das ein besorgtes Philisterium uns umwarf, damit wir selber uns nicht recht erkennen sollten. Unsere Schule steckt voller falscher Romantik. Was man uns von Dramen gibt, oder von Geschichtshelden, von Siegen der Technik! und der Wissenschaft, das ist unwahr. Wir erhalten es außerhalb des geistigen Zusammenhangs. Diese Dinge, von denen man uns sagt, daß sie uns bilden sollen, sind ewige Einzeltatsiachen und Kultur ein glücklicher Zufall. Manche Sdiule mag nicht einmal weit genug sein, ihn einen glücklichen zu nennen. Denn wo erfahren wir je von der lebendigen Geschichte, die den Geist zum Siege führt, in der der Geist seine Eroberungen erficht, die er selbtir bildet? Man lullt uns ein, macht uns gedankenlos und tatenlos, da man un» 39

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.