Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (Mai 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe Briefe eines siebzehnjährigen Mädchens aus einem Töchterheim. E i s e n a c h, April 1912. Lieber Henri! Vorläufig nur ein paar Worte. Briefe werden nicht gelesen, aber schreib* nie Deinen Vornamen aus. Ich darf .nicht an einen Jungen schreiben. Laß bald von Dir hören; ich tu's auch. M. Liebe Henriette! Die „Henriette" ist ein glänzender Einfall. Wenn ich nur nicht so schreibfaul wäre! ...... Die Töchterheime solten aus den jungen Pensionärinnen Charaktere bilden, — so hab' ich gehört. Der erteilte wissenschaftliche Unterricht soll die erhaltene Schulbildung vertiefen! Deshalb wird man von staatlich geprüften Kräften unterrichtet. Die Töchterheime, las ich neulich: sollen ein harmonisches Leben der Persönlichkeit in Gesundheit, in Hingabe an die Ideale des Wahren, Schönen, Guten und Nützlichen und in warm- und weitherziger Frömmigkeit entwickeln und von innen heraus pflegen, und durch das Zusammenleben sollen sie zugleich den Gemeinsinn wecken! — Ferner las ich noch was von den Zielen der Töchterheime. Ihr Ziel ist: gesund, gebildet, gottoffen. Ihre Mittel sind: Selbsttätigkeit zur Efzielung der Selbständigkeit und Gemeinschaftsleben in Arbeit und, ach — Erholung zur Erziehung des Gemeinsinns. Ihre Grundsätze sind: Nicht gezwungen, sondern frei und freudig. Nichts Angelerntes oder Oberflächliches, sondern Selbstgefimdenes und Gründliches. Nicht Schein, sondern Wahrheit. — Wie das nun hier von der Leiterin aufgefaßt wird — Die vielen der ungezwungenen, freien, freudigen Mädel stöhnen unter Polizeiaufsicht: „Da darfst Du nicht sitzen!" — „Das darfst Du nicht machen!" —' „Das sage ich Frl. Brigget!" — JDie Lore 23