Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (Mai 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Durchsprechung der übrigen drei Akte, wobei sogar Stellen zitiert wurden. Mit einem „Fix! Also das ewig Weibliche zieht uns hinan--na, das wissen Sie jä, was das ist, nicht wahr, Henzel?" klappte Stolz das Buch zu. Ich war neu in die Klasse getreten und Wax wollte mich „beschäftigen" „Wir lesen nämlich die Szenen, eh wir sie durchsprechen, mit geteilten Rollen." Also: ich erhielt den Tempelherrn und las ihn mit ein wenig Accentuation und Wärme, ohne auch nur im entferntesten eine Vortragsweise darin zum Ausdruck zu bringen. Nach dem 15, Jambus unterbrach mich Wax: „Halten Se mal an! Wir sind hier nicht auf der Biehne. Es kommt mir gar nicht draui an, daß gut gelesen wird. Also, Lipmann, lesen Se mal den Tempelherrn. Ich werde de Recha lesen." Goethes Lyrik bei Stolz. Es handelt sich um den „König in Thüle". Bei der dritten Zeile setzt Stolz verschämt hinzu: „Buhle ist natürlich soviel wie Gemahlin, Ehefrau." Bitterer sind die sehr zahlreichen Erinnerungen, die ich aus dem F.-W.-Gymnasium mir erspart habe. Lateinstunde. Der Lehrer haßte mich persönlich, weil ich ans einem andern Gymnasium ohne ersichtlichen Grund in dieses hineingekommen war. Wir hatten fünf bis sechs Grammatikparagraphen auf, die ich mär gehörig angesehen hatte, sodaß ich, aufgerufen, ihren Inhalt mit meinen Worten zu erzählen begann. Ich wurde vom Pauker sofort unterbrochen. Er rief: „Jeremias!!" (das war der Sekundus und ein Strebergende). Jeremias schnurrte den Paragraphen wörtlich her. Ich: „Verzeihen Sie, aber ich wußte nicht, daß wir hier die Grammatik auswendig zu lernen haben, ich dachte---" Pauker: „Jeremias!!" Jeremias: „Wir sollen sie nicht auswendig lernen, sondern so lernen, daß wir sie wie auswendig hersagen können!" (Ich erhielt meine obligate V im Notizbuch.) Payer. 22