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Der Anfang · 1913-05-01 · Heft 1 (Mai 1913) · p. Seite 11

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 1 (Mai 1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Metall verträgt solche Experimente. Und vielen wird diese Versuchsprobe des Extemporales gefährlich. Man hat schon längst eingesehen, daß die bisherige Handhabung der schriftlichen Klassenarbeiten ein Unding ist, und in dieser Erkenntnis hat das preußische Ministerium vor einem Jahre an die Schulen Erlasse gesandt, welche einen frischeren Geist in die Schulmauern bringen sollten. Unter ihnen steht audi jener Erlaß, der bestimmt, daß eine Klassenarbeit, die von mehr als einem Viertel der Schüler nicht genügend geschrieben ist, von dem Lehrer nicht zensiert werden darf.1) Die Arbeit hat für die Beurteilung der Leistungen der Schüler keinen Wert, und es soll daher vom Lehrer eine neue, zweckdienliche Arbeit der Klasse gegeben werden. Wenn du als Tertianer mal jene drückende Stunde erlebt hast, in welcher der grollende Herr Professor die Klassienarbeiten zurückgab, von denen nur vier genügend, zwanzig aber ungenügend waren, wenn du damals außer der schlechten Zensur das drückende Gefühl hattest: „Wie soll das fortgehen?", wenn dir und deinen Kameraden versichert wurde, aus dir und ihnen würde „nie was Rechtes" werden, dann wirst du verstehen, daß solcher Erlaß segensreich wirken muß. Er macht in der Tat ganz unerträglichen Zuständen ein Ende — wenn, ja, wenn er gehalten wird. Aber mit dem „Wenn" schauts böse ans. So sind in einer kleinen Gymnasialstadt Norddeutschlands die ministeriellen Erlasse recht unbequem, aber man weiß sich zu helfen. Kürzlich ist wieder eine Arbeit von mehr als der Hälfte der Schüler „verhauen" worden. Was tut der Lehrer? Er schreibt einfach unter eine ganze Anzahl nicht genügender Arbeiten „Genügend", rechnet sie aber als „Mangelhaft". Bei der Zurückgabe teilt er dann jedem der betreffenden Schüler mit: „Ich habe zwar unter Ihre »Arbeit „Genügend" geschrieben, rechne sie aber in meinem Notizbuch als „Mangelhaft" an. Wenn ich das nicht tue, so muß ich die Arbeit noch einmal schreiben lassen, und das paßt mir nicht." — Ein zweites Bild in derselben Anstalt: Ein anderer Lehrer blättert im Zensurenverzeichnisse des Klassenbuches, um *) Centralblatt f. die ges. Unterrichtsverwaltung in Preußen, 1911, Heft 2; Erlaß vom 21. Okt. 1911: „Bemerkt der Lehrer bei «der Korrektor, daß ein erheblicher Teil, etwa ein Viertel, der Arbeiten der Klasse geringer als genügend ausgefallen ist, so hat er von der Zensierung dieser sämtlichen Arbeiten abzusehen." 11

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