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Der Anfang · 1913-05-01 · Heft 1 (Mai 1913) · p. Seite 6

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 1 (Mai 1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Unterricht und Wertung Von Ardor An zwei Stellen wird das Verhältnis des Unterrichts zu Werten, zu lebendigen Gegenwartswerten besonders deutlich werden: im Deutschen und in der Geschichte. Im Deutschen wird es sich vorwiegend um ästhetische, im Geschichtsunterricht um ethische Werte handeln. Zunächst ist das gleichgültig. Gefragt wird: Wertet der Unterricht (und damit die Schule) überhaupt, und an welchem Ziele ist dies Werten orientiert? Es soll nicht behauptet werden, daß jeder der folgenden Fälle typisch sei. Aber es soll doch die Ansicht zugrunde gelegt werden, ein brauchbares System müsse gewisse äußerste Möglichkeiten ausschließen. Im Folgenden einige dieser Möglichkeiten ohne Kommentar: In einer Obersekunda werden eine Anzahl Gedichte Walthers von der Vogelweide in der Ursprache gelesen. Sie werden übersetzt und einige werden auswendig gelernt. Das alles nimmt eine Reihe von Unterrichtsstunden in Anspruch. Der Ertrag dieser Stunden für den Schüler in ästhetischer Hinsicht ist die beständig wiederkehrende Aeußerung des Lehrers, im Gegensatz zu Homer verwende Walther keine Flickwörter. Einige Aeußerungen, die den ästhetischen Standpunkt Goethe gegenüber bezeichnen: „Goethe ist überhaupt ganz realistisch, man muß nur verstehen, was er meint." Oder: „es ist das Eigentümliche in Goethes Werken, daß jedes Wort seinen Sinn hat, und zwar meist einen schönen, passenden." Oder: In einer höheren Klasse werden die Nibelungen in der Uebersetzung, darauf in der Ursprache gelesen; ein bis zwei Abschnitte bilden die häusliche Lektüre; sie werden im Unterrichte nacherzählt. Nachdem so die Uebersetzung durchgenommen ist, wird das Lied vom Lehrer in der Ursprache aus dem Lesebuche, das auch die Schüler vor sich haben, vorgelesen und teilweise übersetzt, teils durch Uebersetzungsanleitungen kommentiert. Solche Durchnahme dauert kaum unter einem halben Jahre; und damit ist dann die Lektüre dieser Dichtung durchaus erschöpft Auf den inneren Gehalt wird schlechterdings mit keinem Worte eingegangen. 6

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