Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahre 1848 u. 1849. 109 Null rst. Er schaffte uns die Jesuiten ins Land, die man überall verjagt. Wir müssen uns rühren. Wir müssen unserem Verderben entgegenarbeiten. Wir müssen einen andern Weg zum throne suchen. Sogleich ward eine allgemeine Bürgeradreße ausgefertigt, worin die Wünsche des Volkes niedergelegt waren, um sie den Ständen zu überreichen, und sie durch dieselben geradezu zum Throne gelangen zu lassen. Die Studenten der Universität versammelten sich Sonntag den 12. Marz im Universitätsgebäude. Die Aufregung war ungeheuer, bis einer ihrer Professoren versprach, ihre Adresse noch denselben Tag nach Hof zu bringen, was denn auch geschah. Die Adreße -einer so kleinen Körperschaft, welche nach dem Gesetze nicht einmal auf dem Rechtsboden stand, hatte natürlich nicht den erwünschten Erfolg. Auf Montag den 13. März, als dem Eröffnungstage der Sitzungen der Landstände, hatte sich die Bürgerschaft vor das Landhaus bestellt, um die Adreße durch ihre Gegenwart zu unterstützen. Um acht Uhr zogen die Studenten der Universität und der politechnische Schule in das Landhausgebäude. Die Versammlung füllte den Hof, alle Fenster waren von Theilnehmern besetzt; im Hofe des Gebäudes wurden Reden gehalten. Die Wünsche des Volkes wurden öffentlich verkündet. Preßfreiheit, konstitutionelle Verfassung, verantwortliches Ministerium, Glaubens- und Lehrfreiheit, Volksbewaffnung, innige Anschließung an Deutschland waren die verlangten Puncte. Die Landstände entwarfen eine Adreße an den Kaiser. Sie wurde vorgelesen, enthielt aber nichts weniger als die Wünsche des Volkes. Endlich erschienen die Landstände und verkündigten der Menge, daß sie dieselben Wünsche hegten und ihre Erfüllung aufs wärmste bevorworten und sie Sr. Majestät vorlegen würden. Das Volk müsse aber seine Wünsche selbst am kräftigsten unterstützen, und zwar durch ein ruhiges überlegtes Betragen. Die Stände entfernten sich. Da ertönte plötzlich aus dem ersten Stocke der Ruf: „nur sind eingesperrt! zu Hille!" die Studenten riesen so, welche sich im ersten Ständesaal befanden. An dem ganzen Umstande war ein Versehen Schuld gewesen. Sogleich wurden die Thüren gesprengt, die Studenten befreit. Auf der Freiung, dem Hofe, vor Melier-