Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 107)
- Language
- German
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108 Rückblick auf die Dieß ist es, was ihnen diesmal die Herzen der übrigen Völker gewonnen. Das deutsche Volk, bisher getheilt Ln Neigungen und Interessen durch die Einzelinteressen der deutschen Regierungen, es muffte Eins werden in Neigungen, Interessen und Kraft. Daher der Ruf nach Preßfreiheit und gleicher Verfaßung. Dieser Ruf ist auch in die Gauen Oesterreichs, des reichen herrlichen Oesterreichs gedrungen. Was, sage ich, gedrungen? Nein , er lebte schon lange in allen Herzen und nur die Gewalt hatte ihn unterdrückt. Der Oesterreicher kräftigte sich an den Thaten der Franzosen, an denen der übrigen deutschen Länder und daß er seine Wünsche so plötzlich und kräftig geäußert, das verschuldet nur der Umstand, daß kein deutscher Stamm in so engen und gewaltigen Schranken war gehalten worden. Aber nicht die unmittelbare Macht des freien Gedankens allein war es, die sich dem Drucke der Gewaltherrschaft entgegensetzte. Man sprach seine Wünsche öffentlich aus und, glaubte, weil sie alle Welt hörte, müßten sie auch zu den Stufen des Thrones gedrungen sein. Man übergab im Gewerbsvereine dem Erzherzog Franz Karl eine Adresse an den Thron, die bereitwilligst entgegengenommen wurde. Man sah freudig Umgestaltungen entgegen, man sah schon erfüllt was man wünschte, weil man es für nothwendig hielt zum Besten des Vaterlandes. Andere Adressen wurden insgeheim verbreitet. Da kommt auf einmahl ein ämtlicher Artikel, der auch nicht rm geringsten andeutet, daß das Kabinet die Gesinnungen des Volkes iheile. Immer noch der alte kalte Metternichismus, der mit Eiseskälte in die warmen hoffnungsseligen Herzen des Volkes hineinfiel. Dazu noch verbreitete sich das unliebsame Gerücht,, die Adreße, welche Erzherzog Franz Karl übernommen, habe dem gütigen Gliede des Kaiserhauses Unannehmlichkeiten zugezogen und das Maß würdevoll. Der Name Metternich lebte in Alter Mund. Metternich, hieß es es allgemein, will schlechterdings seinem Privategoismus das Kaiserhaus opfern, er vernichtete unsere Industrie. Er gefährdet die Zukunft des Landes von innen und außen. Er ist daran Schuld, daß unsere Monarchie troz ihrer Größe, ihres Reichthums, ihrer geistigen Bildung eine politische