Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 332)
- Language
- German
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der Israeliten in Livorno. 285 Ruhme, und voran ist hiebei zu stellen der fromme Sinn worin sie gegründet, und der schöne Eifer, womit Männer und Frauen sich deren Erhaltung und Vervollkommnung sowohl durch Geldspenden als durch persönliche Verwendung angelegen sein lassen. Ein schönes Haus, das trotz seiner soliden Bauart dennoch nicht höher als auf L.70,000 (23,000 fl. C. M.) zu stehen kam, umfaßt diese manigfachen Anstalten, welche der Erziehung und dem Unterricht mittelloser Israeliten beiderlei Geschlechts unter verschiedenen Gesichtspunkten gewidmet sind. Das Programm welches darüber im Druck erschien, theilt dieselbe ein: 1. in Kinderbewahranstalten und Elementarschulen, 2. in höhere Schulen. Zn den ersteren und besuchtesten wird nur derjenige Unterricht ertheilt, welcher für jeden Menschen als unentbehrlich betrachtet wird. Zn den höheren Schulen werden besondere Berufswidmungen berücksichtiget. Das Gesammtinstitut wird von einer Commission geleitet, welche aus einem Präsidenten, einem Direktor, und einem Caffier gebildet ist. Derselben steht einer der Vertreter der israelitischen Gemeinde nebst deren Sekretär zur Seite. Jedes der vier Commissionsglieder hat außer dem ihm übertragenen Amte noch die besondere Ueberwachung einiger Spezialanstalten zu versehen. Die Mädchenschulen stehen außerdem unter der besonderen Aussicht von vier Frauen, welche von der gedachten Comission hiezu erwählt werden. Für die Fälle, welche die Repräsentation des Institutes durch einen Einzigen wünschenswert^ machen, dient die besondere Bestimmung eines Rektors von Seite der Commission. Kinderbewahranstalten. Hier werden die Kinder im Alter von 2'/- — 7 Jahren angenommen, und im Allgemeinen nach dem in Deutschland eingesührten und von Apporti nach Italien verpflanzten Systeme überwacht und beschäftigt. Das Auffällige hier wie in anderen Kinderbewahranstalten Italiens ergibt sich in der völligen Absonderung der Geschlechter und der Leitung durch Frauen für das eine wie das andere. Meinestheils vermag ich das erstere um so weniger zu billigen, als es die Errichtung von Kinderbewahranstalten durch die doppelt erforderte Lokalität und Aussicht erschwert, ohne daß sich aus dem anderweitig geübten Vorgang irgend ein Uebelstand ergeben dürfte. Eben so wenig vermag ich aber der Beschränkung auf Frauen in der unmittelbaren Leitung beizustimmen; besonders wenn man Rücksicht auf Erweckung der Denkkraft, und bessere Anregung des Geistes und Gemüths nehmen will. In jeder der beiden (für Knaben und Mädchen) bestimmten Kinderbewahranstalten fand ich 70 — 80 Kinder, wohl und munter ausjehend, und wie in Italien überhaupt, sich durch reines melodisches Singen auszeichnend. Ueber Mittag werden die Kinder in einem beson-