Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 331)
- Language
- German
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284 Die Unterrichts- und Erziehungsanstalten bedürfen um Gültigkeit zu erlangen dessen Bestätigung. Die Livorneser Gemeinde hatte auch früher beim Stadtmagistrate einen aus ihrer Mitte gewählten Vertreter, welcher ihre Gerechtsame wahrte. Allein dies Vorrecht ist neuerdings durch die Aenderung der Communal-Verfassung erschüttert worden. Es ist nämlich als Grundsatz festgestellt, daß der Magistrat aus jeder Religionsparthei frei gewählt werden könne. Den Israeliten steht seitdem nur die Concurrenz offen, aber die beständige Vertretung ist ihnen nicht gesichert *). Die Synagoge in Livorno ist die größte in Europa, und kein Fremder läßt sie unbesichtigt. Auf mich verfehlte sie jeden vortheilhaften Eindruck. Schon der ׳Eingang ist unerquicklich; durch eine schmale Hinterthüre gelangt man in das Gotteshaus, welches hier, wo Kunstsinn gleichwie Toleranz heimisch sind, mittelst eines Portals und breite Treppen, füglich hätte bezeichnet werden können. Auch die gewählte Form eines oblongen Viereck's ist wohl die mindest glückliche zu nennen, die vielen herabhängenden Lampen waren ehedem von Silber, wurden aber aus Anlaß der französischen Occupation in Messing verwandelt, was sich eben nicht zum Besten ausnimmt. Auch fiel es mir störend auf, daß die Wände von oben bis herab mit Inschriften bedeckt sind, welche die Wohlthäter der Synagoge dem dankbaren Andenken überliefern. Meines Erachtens aber sollte die Verehrung Gottes mit derjenigen der Menschen sich nicht in der Art theilen, und letztere keinesfalls die Aufmerksamkeit zu zerstreuen vermögen. Dagegen ist es erfreulich, daß der Wohlstand der Gemeinde es zuläßt die Plätze der freien unentgeltlichen Benützung zu überlassen. Auch werden erhebende Erinnerungen hier angeregt. Als nämlich die spanischen Juden von Haus und Hof vertrieben, hieher flüchteten, ließen sie wie ehedem ihre Voreltern die Bundeslade des Herrn voranziehen. Diese wird nun hier besonders bewahrt und in Ehren gehalten. Der Ritus ist wie in vielen Gemeinden Italiens der altspanische geblieben; Predigt ist monatlich nur einmal und dies hebräisch mit Interpretation. Wie denn aber in so Vielem, das wir zu übersehen vermeinen, immerhin Beachtenswerthes sich vorfindet, so gehören hieher: die reinere, wohlklingendere Aussprache des Hebräischen, die in manchen Stücken namentlich der -15)^2 לפינוי und עיל הטא abgkürzte Liturgie, und das Segnen der Kinder von den Eltern in der Zeit da die ״Stammpriester" den Segen über die versammelte Gemeinde aussprechen. Aber mehr als die Synagoge gereichen den Livorneser Israeliten ihre wohltätigen Erziehungs- und Unterrichtsanstalten zum bleibenden ל Siebe Jost neuere Geschichte der Israeliten von 1815—1845, 2.Abth. Berlin 1847. S. 271.