Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 301)
- Language
- German
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Alexandriens Vorzeit. 253 des Hasses, die Otternbrut des Jsisdienstes! Wer malt dieses gräßliche Schauspiel, welches dem entsetzlichen Btutgerichte vorangegangen, und während dessen der König mit Lisibios beim lustigen Zechgelage waren, und ihrer Völlerei fröhnten. Tags darauf, nachdem der Befehl veröffentlicht wurde, führte man die Kampf-Elephamen herbei, und gab ihnen heiße Getränke ein, um ihre sonst sanfte Natur zu verwildern. Menschen suchten Thiere zu verwildern, und ihnen menschliche Raserei beizubringen, die ihnen fremd gewesen war — — Es liegt eine gräßliche Satyre in dieser Thatsache, — doch wir wollen uns jetzt jedes Raisonements enthalten. Die Elephanten waren also bereits menschlich — d. h. unthierisch rasend, und die Juden wurden nun in den Hippodromos geschleppt, die Schranken abgesperrt, und die neugierige Menge umstand gaffend die Rennbahn, der Dinge harrend, die da kommen sollten. Nur der König wurde noch erwartet. Da kam Lisibios daher gesprengt, und hieß die Leute nach Hause gehen, weil der königliche Trunkenbold von der nächtlichen Zeche noch unwohl id cst besoffen war. Der Pöbel murrte, fürchtend des genialen Schauspiels verlustig zu werden; während die Juden in dem Hippodromos den Psalm: „Wie lange noch o Herr, stehest du in der Ferne" 77) in weheklagenden Tönen sangen. Da ließ sich durch das Murren der Feinde und die Weheklagen der Juden die gellende Stimme eines Weibes vernehmen, die in flatternden Haaren, zerissenem Gewände, und keuchenden Athems daher gestürmt kam, die Menschenwoge mit rasender, verzweifelnder Anstrengung theilte. Laßt mich, schrie sie, ich bin auch eine Jüdin. Laßt mich sterben mit meinen Brüdern. Laßt mich sterben den Tod der Gerechten, daß mein Ende dem ihrigen gleiche. Es war Cirilla, die Büßerin. — Unter ihrem zeriffenen Kleide erblickte man wider ihren Willen einen groben Sack, den sie als Buße auf dem nackten Leibe trug. „Heilige Isis! was willst du Lhun Cirilla? riefLisibios als er ihrer gewahrte. Cirilla! Cirilla! besinne dich" — Doch schon war Tarakos hinter ihn getreten. „Laß sie gehen, Lisibios," sagte er, „sie ist wahnsinnig und verdient es nicht besser, sie hat die Göttin beleidigt." „„Ich könnte dir beweisen, daß ich vernünftiger bin denn je; denn ich will sterben, wie deine Irene gestorben ist. Ja, wirst du bleich, elender Wüstling, betrogener Sünder, heuchlerischer Mörder du? Du bist ein blindes Werkzeug dieses blutgierigen Vampyrs hier. Ja, deine Irene ist vergiftet, — und du stirbst nach ihr, wenn du den Trank, den der finstere Mann dir gebrauet, nimmst. Gott sei mir gnädig, daß ich dir noch den Liebesdienst erweise, dich zu warnen. — Doch wenn Er dir seine Sonne scheinen läßt, warum soll sein elendes Geschöpf, wie **) Psalm 10.