Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 293)
- Language
- German
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Alexandriens Vorzen 215 er plötzlich von dem rauschenden Gewände eines nahenden Weibes geweckt. Gel im sah auf, und wurde leichenblaß — Es war Cirilla selbst — Doch faßte er sich und fragte höflich und kalt: „Was wünschest du Despoina? (Herrin)." „Selim, mein Selim lebt keine Erinnerung mehr in dir, an eine für mich und dich bessere Zeit?" — „Laß das/ Herrin, und sage mir lieber was du willst?" — „Ach dieses Herrin aus deinem Munde schmerzt mich mehr, als die Natter meines Gewissens. Ich bitte dich um Gotteswillen, sei menschlich Selim." „Warum denn nicht um der — G ö t t e r w i ll e n, es klänge ja besser. Doch was ist dein Begehr?" — „Selim! Es dürfte sonderbar in meinem Munde klingen, aber ich kann nicht anders, ich muß dirs sagen: Ich liebe dich! Ich habe dich stets geliebt." — „Es ist mir leid, Herrin, daß ich dir nicht Modell stehen kann, wenn du neue Atitüden für das Theater einstudirst. Du siehst, ich fasse dein Benehmen vom richtigen Standpunkte aus, denn ich will nicht glauben, daß du dich eigends herbemühtest, um mich zu beleidigen." — „Ich muß wohl glauben , daß sich die Zeiten sehr geändert haben, da man doch sonst sich glücklich pries, diese Worte aus meinem Munde zu hören." — „Und wozu soll uns dieses Geständniß führen?" — „Könnte ich nicht eine Reuige und Büßende zurückkehren von dem Wege, auf welchem ich gewandelt?" .„Ja, Gott ist barmherzig, denn Er ist die Liebe selbst." — „Und du, Selim? willst du'snicht auch sein?" Selim kämpfte lange mit sich, und sprach darauf gar feierlich: „Höre Cirilla! Volk und Glauben hast du verrathen; deine Ehre hast du preisgegeben, und bist auf die Seme getreten; mich hast du so schändlich hintergangen, und mir das Herz zerrissen — Doch dieses Alles vergebe ich dir-Nimm hin den Glauben an meine Liebe, die ich einst für dich gehegt, die ich noch ein gewelktes Blatt im Busen aufbewahre, für die gewesene Cirilla — Ich gebe dir soviel ich kann — und nun gehe hin und werde gut. — ER ist barmherziger noch als wir — Doch mich suche nie auf — Ich bitte dich —meide mich" — „Und warum dieses Selim? Bin ich dir so unerträglich?" — „Laß mich nicht das harte Wort sprechen, wodurch du eine ewige Kluft zwischen uns gerissen — Gehe hin — ich vergebe dir" — „Nein Selim ich gehe nicht, ich will das Wort noch kennen, das harte, von dem du sprichst" — „Verlange es nicht Cirilla!" — „Ich weiche nicht eher" — „Wohlan denn! Du Haffs begehrt. Ich bin aus dem Stamme des Aaron, und es ist ein unverbrüchlich Gesetz: Nicht ehelichen sollen die Priester ein Weib, das da ist eine Entweihte, eine Gefallene — du Haffs gewollt" — so sprach Selim und wischte den Schweiß sich von der Stirne. — „Ich danke dir Selim, weil du mich dich begreifen lehrtest. Doch lerne jetzt auch mich kennen. Wenn nach Mondesfrist ein Gerücht in deine Ohren gelangt, das unheimlich von C i r i l l r