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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 239

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 239 (sequence 287)
Language
German
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IRI
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Alexandriens Vorzeit. 239 ach sie sind zerstoben, wie Wolken über die Berge gezogen. Ich habe den Schleier meiner Göttin gelüftet, und bin enttäuscht, wenn auch nicht belehrt worden. Die Fäden kenne ich alle, woran die Täuschung ihre Truggestalten in der Schattenhalle reihet, wenn auch die Wahrheit nicht mein Aug' erspähen konnte. — Eines muß der Mensch — das ist mir klar — lieben oder Haffen. Und soll ich nicht hassen, wo ich nicht lieben darf? Der Friedensgott sei ein Sohn des Lichtes und der Hekate, sagen sie. Ich mag das Zwitterding nicht. — Was soll mir der Friede, dieses ewig wiederkäuende Thier. Ruhe ist in den Wüsten nur, wo Leben sein soll, da ist Kampf, ob in Osyris ob in Typhons Reich. Und was thut denn sie selbst die Athor 60) die Alles hat gemacht? Hat sie nicht eben so große Lust am Zerstören wie am Erschaffen? Und überall ist's eine Lust hinein zu schauen, ob in den Wirbel des Lebens, ob in den Graus der Pestilenzen und in die Finsterniß der Moderstätte. Schau! schau nur da hinab ins Reich der Molche und Unken — Gelt, da wirbelt's und wimmelt's und summt es so gut, wie da droben in der Welt der Buntschäckigkeit! Gelt! in dieser purpurnen Schwärze gehet es eben so lustig, gräßlich lustig her, als da droben in der lachenden Farbenwelt. Ihr habt die Liebe; wir den mächtigenHaß und die Schlange—Rache. — So ist's, so stehet es in den Sternen geschrieben! Für den Haß und für die Lüge bin ich geboren, und im Finstern muß ich meine Großthaten üben. Fort, fort shr bleichen Schatten — Ich kann nicht mehr zurück, ich bin umstrickt von meinen eigenen Rehen. Bekenne ich ihr, daß Alles Lug und Trug nur sei? dann falle ich meinen lauernden Amtsgenossen, ein Opfer der Isis — heim. — Soll ich ihr bekennen, welche Glut sie in meinem Busen angefacht? Wie kann der Mensch den Priester dann entschuldigen? Darf ein Jsispriester lieben? Warum nicht? Isis nennt sich doch der Liebe Göttin. 61) Za wohl, wie sie die Göttin der Wahrheit ist? Das Volk wird betrogen, der Priester lernt betrügen. Liebende beten in stiller Mondnacht zu der verschleierten Göttin, deren Priester Haffen, mit Bewußtsein täuschen müssen. Soll ich Gewalt brauchen, und sie unter einem religiösen Vorwände in den Tempel locken, und den Rücktritt ihr ersparen? Es wäre freilich nicht das erste Mal, daß dieses im Isis Tempel geschah. Aber die Welt ist aufmerksam geworden. — Verdammte Aufklärung! Za vordem war es ganz anders! da beherrschten wir noch das Reich allein, und die Weisheit war des Priesters Eigenthum. Die Krone zitterte auf des Regenten Haupte, wenn er einen Hierophanten sah. Die Götter waren unser und keines Volkes sonst, und die Weisheit ward nicht in Buden feil geboten, und jeder Eingeweihte, war ein Gott. Run 60) Die Urkraft bei den Aegyptiern. 61) Ovid. ars. am. I. 77.

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