Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 221

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 221 (sequence 269)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2609281-3184086--1759-3185871
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Alexandriens Vorzeit. 221 „„Ach! das ist ein traurig Lied, mein Selim! Wie kannst du so düster sein, wo gar kein.Anlaß dazu vorhanden ist?"" „Nur zu bald, mein Sohn, wirst du hier enttäuscht werden, und in wenigen Tagen wirst du finden, daß man hier überall Veranlassung hat, sich in Sack und Asche zu hüllen. Sieh, wir sind hier bei der Insel Pharos angekommen. Schaue, höre und prüfe Alles,! was hier vorgehet. Sprich so wenig du kannst, und du wirst heute Gelegenheit haben, einen Begriff von dem zu erhalten, was man alexandrinischen Geist nennt, und dann wirst du mir schon Recht geben — Antigon sah auf die Znsel hin. Welch ein Gewimmel! rief er aus, welch Getöse! „Es ist ein Fest, mein Sohn!"—„„Und wem gilt dieses?"" —„Dem Gotte deiner Väter." —„„Aber täuscht mich mein Auge nicht, so sind auch viele Unbeschnittene dort."" — „Ganz recht! Ich will dir den Hergang der Sache erzählen, wie er hier allgemein berichtet wird" 26). Ptolomäus II. Philadalphus, oder der Bruderliebende, wie man ihn nannte; denn, setzte Selim ironisch hinzu, — er wußte gar schnell seine Brüder in ein besseres Leben hinüber zu schaffen — doch das gehört nicht hieher — dieser Ptolmäus suchte durch Beförderung der Gelehrsamkeit seinen Namen unsterblich zu machen. Er ließ unter Anderen eine große Bibliothek anlegen, zu der er die Bücher aller Zungen und Völker ansammelte. Noch fehlten unsere heiligen Urkunden, und auch diese wurden auf Verlangen des Bibliothekars Demetrius herbeigeschafft. Aber da sie niemand zu lesen verstand, so erließ der König, nachdem er vielen tausend jüdischen Sklaven die Freiheit geschenkt hatte, ein huldreiches Schreiben an den Hohenpriester Eleazar, worin er bat, einige Männer, die der heiligen und griechischen Sprache kundig wären, hieher zu schicken, daß sie die heiligen Schriften übertragen möchten. Der hohe Priester willigte ein; und mußte dieses auch, sollten unsere hochgelehrten alexandrinischen Brüder, die aller Völker Sprachen, nur nicht die eigene lernen, nicht ganz ihres Gottes vergessen. Die 70 Männer, welche dazu abgesendet wurden, empfing man hier mit großem Pompe; und der König, welcher ihre Weisheit durch allerlei verfängliche Fragen auf die Probe stellte, überzeugte sich bald von ihrer Tüchtigkeit, und ließ ihnen auf dieser Insel Pharos 70 Zellen einräumen, damit sie fern vom Geräusche der Stadt, ihr großes Werk vollbrächten. Inbrünstig beteten die Weisen um das Gelingen ihres Vorhabens—und ihr Gebet wurde erhört. Der göttliche Geist ruhete auf ihnen, daß sie, obwohl von einander getrennt, dennoch **) Die verschiedenen Sagen über die Entstehung der 8eptusxinlL verantaßten mich, der Erzählung des Philon, wlvs.) den Vorzug zu geben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.