Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 268)
- Language
- German
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1220 Bilder aus dort"" sprach Antigon der Jüngling, und glaubte dadurch dem Gespräche eine andere Wendung zu geben. „O, mein Antigon! Wohin immer ich mag schauen, da faßt mich banges Grauen. Jüngling, wisse, das ist der Tempel des Serapis, verfluchten Andenkens, früher ein Scheusal, das sie in Synope angebetet, und, durch Lügen-Propheten getäuscht, hieher gebracht haben. Dieser Serapis wird einst ein zweiter „Baal," ein Fallstrick unserer Brüder." „„Was bedeutet er denn?"" „Es ist der Gott des Handels." „„Wie doch Alles dich düster stimmt! O Selim! Wie warst du sonst gar anders, als du zuerst nach Jerusalem kamst. Wie priesest du die griechische Sitte, wie lobtest du unsere Brüder in Alexandrien, die minder streng, als wir in Jerusalem, sich den Hellenen innig anschließen. Wie begeistert sprachst du von den Ptolmäern! Du selbst riethst meinem Onkel, seine Tochter in griechischen Künsten unterrichten zu lassen; und jetzt wie ganz anders bist du geworden."" — „Ja damals war ich jung wie Du!" — „„Und froh und fröhlich warst du, mein Selim! Sei es wieder und freue dich mit mir."" Gutes Kind! sprach Selim, und nahm ihn bei der Hand, Siehest du dort das Sangenfeld, wo sie noch keine Ernte gehalten? „Ja wohl," Und der Nebel, der aus ihm aufsteigt, weißt du, woher der kommt? „Freilich! hast's mich ja gelehrt. Es ist Herbst, die Aehren sind reif, und trinken den Thau mcht mehr, der vom Meere herkommt; der tropft herunter, und verdunstet." Ganz recht! so höre mich an. Ich will dir ein Lied lehren,, das ich einmal auf dieses Sangenfeld gedichtet; vielleicht verstehst du mich besser. Dabei nahm er die Harfe und sang: In den Wellen wogender Aehre Senkt sich der beladene Halm, Aus der Sangen gold'nem Meere Steigt empor ein düst'rer Qualm. In ihres Lenzes schönen Blüthen Hob das leichte Haupt die Lust; Nun sie Fruchtgedanken brüten, Sinkt das schwere Haupt zur Brust. Wohl träufelt noch der nasse Segen; Doch nicht in diamant'nem Scheinen; Er quillt herab ein Thränenregen, Und die reifen Aehren weinen — Die Freuden in des Lenzes Frist, Sie dünken dir des Himmels Gunst; Doch was ein Thau der Blüthe ist, Es wird der Frucht ein leerer Dunst.