Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 267)
- Language
- German
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Bilder aus Alexandriens Vorzeit. 219 zur Schau gestellten Bildwerke und Aufzüge nicht zu nennen. Das schaulustige Volk wurde am Ende so verwöhnt, daß ihm kein Tag verging, der ihm nicht ein neues Fest brachte, kein Monat, wo nicht eine neue Erfindung ausposaunt wurde. Dabei fehlte es an einem gewissen Roccoco-Geschmacke nicht; denn die Einwohnerschaft bildeten außer den Griechen, auch Aegypter und Juden, und die Ptolmäer wußten sich jeder Nation verbindlich zu machen. Ein Festtag, ein neues Schauspiel, ein Gewimmel von Fremden war in Alexandrien nichts Seltenes; und doch schien der Lag, an dem unsere Erzählung beginnt, an Festlichkeit und buntem Glanze alle anderen ähnlichen Prozessionen überbieten zu wollen. Es war im Spätherbste eines Jahres unter dem IV. Ptolmäer, genannt Philopator. Das Bruchium, ein Hauptviertel der Stadt, ist heute menschenleer; dagegen gehet es an den zweien Hafen des Ortes sehr lebhaft her. In den westlichen Hafen, Eunostus genannt, sind eben Schiffe aus Asien eingelaufen. Ein herbstlicher Wind bläst in die lustigen Wimpel; es werden prächtige Boote ausgesetzt, die Fremden ans Land zu bringen, die sich in fluthender Menge nach verschiedenen Richtungen hintummlen. Wir verlassen das Gewimmel vor der Rhede, wo das Geschrei der Matrosen und das Lärmen der Schiffsknechte die Brandung übertäubt, und folgen zweien Reisenden, die auch mit dem Schiffe angekommen waren, und sich auf den großartigen mit Säulen geschmückten Felsendamm, Heptastadium, begeben, der den westlichen mildem östlichen oder großen Hafen verbindet, und geradezu auf die Insel Pharos führt. Der Eine ist ein schöner Jüngling, dessen brauner Teint, lange Tunika und kürzerer Obermantel mit Quasten, den palästinensischen Juden verrathen. Sein Begleiter, ähnlich gekleidet, trägt eine kleine Harfe in der Hand, und scheint im 40. Jahre seines Alters zu sein. Ein melancholischer Zug umdüstert sein interessantes Angesicht, das Geist und tiefes Denken verräth. Die Art und Weise wie er spricht, läßt erkennen, daß er mit der Lokalität vertrauet, den Begleiter des Jünglings macht. „Hier, sagt er, auf einen Stadttheil zeigend, den man vom Damme aus übersehen konnte, liegt die Rhakotis, wie sie es nennen. Da wohnen die Wächter der Schiffe und die frommen Hirten. Diese eilf finstern Häuser dienen zum Einbalsamiren der Leichen, und da ist unter ihnen ein großer Platz, der Hippodromos genannt, wo sie ihre sündhaften Kampfspiele ausführen, die unsere gesinnungslosen Glaubensgenossen in Salem's treue Burg einführen wollen. O, Israel! wie bist du so tief gesunken." „„Ich bitte dich Selim, (so hieß der Redner) reiße nicht die alten Wunden wieder auf. Sieh' diesen prächtigen Tempel auf dem Hügel 10 *