Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 263)
- Language
- German
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Alexandriens Vorzeit. 2!5 zersplitterte an dem ewigen Felsen der Wahrheit. Seine Macht schrumpfte gegen das riesige Bewußtsein zusammen. Doch zu großmütbig, um weiter die Gewissen zu quälen, gab er seinen Plan auf, sie durch Zwang dahin zu bringen. Er mußte sie bewundern und sein Zorn schwand. Hier hat das Judenthum seine erste Märtyrerprobe abgelegt, die sich nachmals so glänzend zur Schmach der Menschheit bewährte. Biele Juden wurden schon früher nach Alexandrien, der neu erbauten Stadt verpflanzt, und der erhabene Gründer hatte ihnen auch dort viele Freiheit zugestanden. Doch Alexander starb, und hinterließ ein furchtbar aufgewühltes Jahrhundert. Sein Reich war zersplittert,- die Flamme'der Zwietracht loderte in allen Winkeln der Erde auf und wiederum theilte sich die Welt in einen Osten und Westen. Zwei gewaltige Mächte stritten um die Herrschaft und den Vorrang : das östliche Syrien und das westliche Egypten. Palästina war zwischen zweien Flammen in der Mitte; zwei Mächte buhlten um die Gunst der Juden; nur mit dem Unterschiede, daß die eine sie zu gewinnen, die andere sie zu erzwingen suchte. Der Geist des Judenthums fand zwar bei einzelnen Griechen Eingang, aber die fortwährenden Unruhen ließen kein besonnenes Nachdenken zu, und die Juden waren von Bekehrungssucht zu ferne. Aber schon fand griechische Bildung bei den Juden Beförderung. Man ließ si'gar die Töchter in griechischer Zunge unterrichten, und pries die Schönheit und den Reichthum dieser Sprache 8I), man nahm griechische Namen an, man wollte sogar griechische Circusin Jerusalem errichten — und bald wäre Zions reine Berglust vom Hellenismus verpestet worden, hätten die östlichen Herrscher mehr Einsicht in die Staatsführung gehabt. Seleucus l. ein Mann zum Herrschen geboren, von wechselndem Geschicke großgezogen, mußte sich seinen Thron durch blutige Kämpfe erkaufen. Die Gründung seines Reiches erfüllte die Juden mit Freuden, da sie dem .Tyrannenjoch seines Vorgängers Antig onus entgingen. Auch hatten sie in Seleucus sich nicht getäuscht; seine Regierung war eine glänzende und milde zu neunen, und jene nahmen keinen Anstand, nach seiner Regierung, die eine Epoche wurde, nach der man die neue Zeitrechnung führte, auch ihren Kalender zu reguliren. Allein schon die sl) Megillah *’«>l. 9. 2 ss!) worüber viel im Midrasch. *-') Nach Rapoport, weil die Juden gerade damals das zweite Jahrtausend seit ihrem Auftreten als geschichtliches Volk, seit dem Auszuge aus Aegypten, zählten, (siehe den 4 Jahrgang dieses Buches )