Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 262)
- Language
- German
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2H4 Bilder aus Zwiespalt in dem eigenen Gefühle beschwichtigt, und die Selbstachtung neben dem Bedürfnisse eines höhern Wesens sich erhalten kann. Dieses Mittel war — die einzig wahre Religion, die da Gott gibt, was Gottes ist, und dem Menschen was ihm von Gott zugetheilt worden ist. Wahrend also die andern Orientalen entweder in Starrheit versunken, sich nie mit dem Zeitgeiste aussöhnen konnten, oder von dem Glanze der überwältigenden Ideen bestochen, ganz in dieselben aufgingen; weiß der Jude sich selbstständig zu erhalten, ohne dem Griechen einige Zugeständnisse zu verweigern, die sich auf dessen Civilisau'on und Bildung beziehen. Dazu kommt noch, daß der Jude bei der staunenswerthen Festigkeit, die er in allen Perioden seines Daseins gezeigt hat, dennoch eine Leichtigkeit besitzt, sich fremde Sitten, ja sogar Unsitten anzueignen, ohne dabei seinen eigenthümlichen Charakter zu verlieren; der Geist der Griechen fand also bei ihnen Eingang. Wie groß war da nicht die jüdische Betriebsamkeit, ihre Kunst sich zu schicken, wie brauchbar waren sie nicht in jeder Beziehung! Gewiß kein Volk wäre würdiger gewesen, sich mit Griechen zu gemeinsamen Zwecken zu verbinden, kein Volk geschickter, griechische Kultur und Handelsbestrcbunaen zu fördern, als die Juden. Kein Volk wäre anderseits empfänglicher und vorbereiteter für die jüdische Lehre gewesen, als die Griechen. Das Judenthum fehlte den Griechen zu ihrer Vollendung, wie den Juden griechische Kunst. Doch die Letztere war leichter zu erringen als die erstere. Alexander müßte in der That gar sonderbar von dem Tempel des Unsichtbaren ergriffen worden sein; hätte er nur nicht der Sonderbarkeiten in den Religionen so viele gesehen, als daß die überraschenden Wahrheiten einen tieferen Eindruck auf ihn hätte machen können. Er begnügte sich, den Juden Religionsfreiheit zu gestatten, um sich ihrer Treue zu versichern. Er hatte sich hierin nicht getäuscht. Sie fochten mit Löwenmuts) unter seinen Fahnen, und verewigten seinen Namen im segensreichen Andenken selbst bei ihren Nachkommen. Denn, wie gesagt, Staat und Religion war bei ihnen längst getrennt, und jüdische Dankbarkeit dürste sprichwörtlich werden. Aber wie war Alexander aus den Wolken gefallen, als er, der Besieger der Welt, bei einem Vorfälle auf einen unbesiegbaren Punkt treffen mußte, eine Klippe, die er nie gekannt, nie geahnt, und wo seine welterobernde Macht scheitern mußte. Aler. wollte den zerstörten Bel-Tempel in Babylon wieder aufbauen, und Ließ dazu viele Arbeiter, darunter auch Juden berufen. Aber wie erstaunte der König, als seine getreuesten Unterthanen ihm, vor dem das Weltall gezittert, ihm, dem gewaltigen Bocke, der die Enden der Erde zerstößt, den Gehorsam verweigerten; weil es ihnen ein Gräuel war einen Götzentempel erbauen zu helfen. In Angelegenheit der Religion fühlten sie sich dem gewaltigen Griechen überlegen. Hier nützte es nichts, den gordischen Knoten mit dem Schwerte zerhauen; das Schwert