Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 261)
- Language
- German
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Alexandriens Verzerr. 213 tie da panschten und manschten, und mengten, bald da bald dort sich nennen zu lassen wußten, und sich dreist neben die wahrhaften Gelehrten des Jahrhunderts hinausdrängten, oder wie Pudelchen um sie herumwedelten. So hatten die Gelehrten den Standtpunkt verloren, von dem sie ausgegangen waren, und Bielwifferei machte das richtige Wissen und dessen Anwendung auf's Leben unmöglich. Dieses war der Geist des alerandrinischen Zeitalters, welches nach Alexandrien in Aegypten, — der wichtigsten Stadt, die der Mazedonier gegründet, dem Mittelpunkte der damaligen Bildung, — den Namen führt. Der Zeitgeist bei den Juden. Nicht umsonst haben wir den Geist jener Zeiten aufzufasseu gesucht, da seine Einflüsse auf das Leben der Juden nur zu sehr erkennbar sind. Alexander der Große zog durch Syrien und Palästina und kam auch nach Jerusalem 18). Was konnte er den Juden Neues bieten? Wir haben gehört, wie sie gegen Sieger gesinnt zu sein pflegten, wie sie lange nicht mehr mit äußerer Unabhängigkeit das Gedeihen ihrer Religionen als nothwendig verknüpft dachten; wie sie schon in Babylon eine gewisse Selbstständigkeit errangen, die aus einem bessern Bewußtsein herrorging. Also Alexander der Sieger war in ihren Augen nicht mehr als Nebucadnezar oder Cyrus. War der Eine der zweihörnige Widder, der gegen die Enden der Welt gestoßen, so war der Andere der einhörnige Bock der des Widders Geweih zerbrach, wie die heil. Schrift sagt 1!)). Der Eine ein geflügelter Löwe, der Andere ein grimmiger Bär, der dritte ein vierfach geschwingter Leopard und der vierte ein entsehliches gehörntes Ungeheuer, wie es auf einer andern Stelle heißt 80). So bezeichnet die Schrift die wechslenden Dynastien. Sollten die Juden von Alexander, dem Griechen, Menschenwürde kennen lernen? Sie hatten die Theorien darüber schon längst vernommen, sie wußten mehr als er; sie wußten auch, daß der Mensch nicht nur frei sei, sondern auch eine bedeutungsvolle Zukunft habe. Eines konnten sie nur von Griechen lernen — wie man große Ideen realisirt, wie man den Gedanken in Formen bringt — wie »um. sich civilisirt. Dagegen hatten sie etwas Kostbareres, das den Griechen abging, nämlich jenes vermittlende Prinzip, wodurch man den *«) Man bat diese Thatsache neulich in Abrede stellen wollen. Dropsen pflichtet jedoch neuerdings der alten Tradition bei. (De vita Alex.) '») Dan. 8, 21 der Bock ist Alexander unverkennbar, so heißt er auch im Arabischen. Man wird hier an die Ammonshörner und die aufmacedonischen Münzen vorkommeuden Geweihe sich er innern- 20) Dan. 7, 7.