Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 256)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-3184086--1746-3185858- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
208 Bildet.' aus warum liegen die Städte verwüstet? Ein Strafgericht ist's, sagt der Prophet, eine Folge deines Verbrechens. Nebucadnezar ist die Geisel nur in des Herrn Hand! Uib ist er unversöhnlich? fragt der Jude weiter. Wird er nie das Land im alten Glanze wieder Herstellen? Durck diese Frage ist er für seine Mission nun reif genug. Der Prophet lehrt ihn die Hoffnung kennen, und eröffnet ihm den Blick in die Zukunft, jene Hoffnung und jene Zukunft, die kein Volk des Atterthums gekannt hat, und die so mächtige Wunder im israel. Volke bewirkt haben. Wo der Orientale unterliegt und im Staube kriecht, und der Grieche sich vermessen erhebt, auf seine eitle Menschenkraft vertrauend; da weiß der Jude Menschenwürde in der Knechtschaft zu bewähren und im Fesselntragen seine Kraft zu zeigen, die in den Banden frei noch ist. Dadurch gewinnt der Jude eine gewisse Selbstständigkeit dem Sieger gegenüber, die in der Ueberlegenheit des bessern Bewußtseins ihren Grund hat. Nun mag stolz und höhnend der Feind der Stärke seiner Faust sich rühmen; Israel räumt es ihm gerne ein, ohne von seiner und seines Gottes Würde zu vergeben. Je mehr der Jude nun in dem friedlichen Lande sein Gesetz umarmte, desto stärker ward in ihm der Glaube, desto tiefer der Abscheu gegen Götzendienst, desto höher stieg er in seiner eigenen Achtung. — Nun war Israel erst wirklich das Gottesvolk, nun konnte sich ein Enthusiasmus für den Glauben der Väter bilden — ein Gefühl, das vor den Juden kein Volk so gekannt, und welches zwischen heidnischer Indolenz und nachmals europäischer Intoleranz die Mitte hält. Der Jude mit seinen ewigen Wahrheiten in der damaligen Lügenwelt, ein lebendiger Protest gegen jede sich brüstende Weisheit, hätte den Haß erzeugen müssen, wenn er bekehrungssüchtig gewesen wäre! Allein der Orient war noch nicht reif für eine so große Jdeenumwälzung. — Die Juden blieben also unangefochten, ja sie wurden zu Ehrenstellen erhoben. Der Heide läßt Alles neben einander bestehen, räumt jeder Anschauung ein gleiches Recht ein, und ist ein vollkommenes Widerspiel einer später» religiösen Unduldsamkeit. Diese, eine Ausgeburt des Menschenhaffes, großgesäugt von hirnverbranntem Wahne, und von Heuchelei gepflegt und erzogen, ist nicht der fromme Eifer für das eigene, sondern die mörderische Parfocejagd auf fremde Bekenntnisse; nicht Enthusiasmus für den eigenen, sondern Scheelsucht gegen den fremden Glauben. Eine Schlange, die das Pferd nur beißt, damit der Reiter rücklings falle; die Fakel, die nur zündet, und nicht leuchtet. Ganz anders ist der Widerspruch, den das Iudenthnm gegen alle fremde Religionen erhob. Das Judenthum gebietet Achtung gegen jeden Menschen, Liebe gegen Nicht-Israeliten. Es trägt zwar keine de- und wehmüthige romantische Sentimentalität zur Schau, aber sein Kern ist Menschenliebe, Menschenachtung. Seine Lehre verbietet, im Gegensätze zürn Heiden Lbume. zwar strenge Sonderung