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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 207

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 207 (sequence 255)
Language
German
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IRI
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Aleraudrierrs Vorzeit. 207 gezündet, und die Vorsehung hatte es nicht au Geistern fehlen lassen, die mf? ganz auf die Höhe jenerLehre zu schwingen wußten, die weit sahen, weiter als wir heut zu Lage bei unseren! durch Bücher und Gesellschaft getrübten Blicke zu schauen vermögen. Die Masse, die sich nicht so leicht mit dem Monotheismus befreunden konnte, faßte wenigstens den Begriff einer Allmacht und eines höchsten Gottes, unter dessen unmittelbarer Leitung sie stünden, auf, und es entwickelte sich in ihr eine gewisse Selbstachtung, die das erste Bedingniß eines gedeihlichen Bölkerlebens ist. Hätte sich die Gottheit nicht so strenge gegen den Dienst alter Neben- und Untergötter ausgesprochen, sie wäre vielleicht treuer und anhänglicher dem einzig wahren Glauben gewesen, — aber dieser wäre nie das Licht geworden, das strahlend allen Erdbewohnern aufzugehen bestimmt war. Hat je ein Volk seine Götter vertauscht, sagt der Prophet, und mein Volk vertauscht meine Herrlichkeit mit eitlen Wesen. So war es. Der Pöbel konnte dem Einflüsse böser Beispiele nicht entgehen. Und das Unerhörte war geschehen — die Einführung fremder Götter auf den heimischen Boden. — Und so hat der Jude selbst in seinem tiefsten verfalle/wo nur ein matter verlöschender Schimmer des heiligen Lichres verglimmend zitterte, schon einen Schritt über das Heidenthum seiner Umgebung hinaus gethan, und sich dem griechischen Geiste der Allvergötterung genähert. Allein Zerrüttung und Zerwürfnis im Innern und die traurigen Konsequenzen nach Außen hin, blieben nicht weg. Eine mächtige Dynastie tilgte den letzten Schein von Staat — die Juden mußten in die babylonische Gefangenschaft wandern. ^cun trat der Wendepunkt ein, wo sich das jüdische Volk als Träger seiner großen Sendung bewähren, und das Gotteswort sich als den unversiegbaren Born alles Heiles und aller Wahrheit im vollsten Glanze zeigen sollte. Die Juden hatten viele Schicksalsbrüder. Hunderte von Staaten wurden von Babylons vordringender Gewalt zertrümmert. Die heidnischen Völker hatten das Bewußtsein, ihren Göttern treu gedient, zu haben. Aber die Gottheit lag entehrt, entkräftet, entthront, zertrümmert vor den Iüffen ihrer Diener, die sich in die Arme der Selbstverachtung werfen mußten. Wie man von gewissen Wilden auf Othaheiti erzählt, daß sie ihren Götzen durchprüglen und wegwerfen, wenn es ihnen nicht günstig genug geht; so haben auch die orientalischen Heiden ihren Glauben verachten müssen, nachdem er sich als überwunden gezeigt hatte. Der Juden Reich tag auch zertrümmert, Staat und Religion auch hier auseinandergeriffen, das Göttliche vom Menschlichen getrennt. Aber konnte der Jude seinen Gott verklagen? Hat ihm sein Prophet nicht den Verfall des Staates voraus verkündigt? Muß er nicht sich selbst die Schuld geben, an seinem Gotte gefrevelr zu haben? Ist sein Gott der Allmächtige —denn so viel weiß er schon von ibm — überwunden? Rein! Aber warum trauert das Land?

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