Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 253)
- Language
- German
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Alexandriens Vorzeit. 205 weg anzutreten. Gleichviel, wo ein Held seiner Laufbahn Ziel gefunden,— ob in des Nordens eisigem Froste seine vergötterte Kraft erstarret, ob Asiens heißer Sonnenbrand seine Flügel versengt; ob er im fernen wüsten Eilande den Wermuthsbecher gehemmter Thatigkeit, ob er den Gift-Kelch, den ein Iollas kredenzt, zu leeren gezwungen wird. Aber gewiß ist, daß dem vermessenen Vordringen von der Vorsehung ein gerechtes Ziel gesetzt ward. Alexander starb, und hinterließ seinen Nachfolgern eine unheilschwangere Zeit. Sein Leben wäre indeß ein erbärmliches Stück Geschichte, wollte man es nach seiner Dauer und nach dem Heile bemessen, welches er den unterworfenen Völkern gebracht. Die Geschichte hatte sein Werk verneint; aber dieses Nein hat eine Vergangenheit, von deren Falle der Erdball erdröhnte und der Boden der Menschheit aufgelockert wurde. Alexander hat die Griechen an jene Zeit vollends vergessen gemacht, wo man nur Athener oder Spartaner sein Durste, wo der Einwohner der benachbarten Stadt schon ein Fremder, ein Feind; der Grieche ein Mensch, der Barbar ein Thier, eine Pflanze war, geboren Sklave zu sein. Alexander hat mit eiserner Feder das Gesetz Mosis geschrieben, nach welchem die Welt des Menschen Vaterland, der Wackere ein Freund, ein Anverwandter,; der Schlechte, ein Barbar, ein Fremdling ist, nach welchem der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen ist. — Es fehlte nur noch Eines, daß das- Ebenbild nicht ein Original sein wolle und sein Urbild besser verstehe. Dieses durchzusetzen hatte die Geschichte noch manche Geburtswehen zu überstehen, bis das Judenthum besser, wenn auch nicht ganz erfaßt wurde. Wir verlassen jetzt die Griechen in dem zerütteten Zustande, und kommen erst auf sie wieder zurück, bis wir einige Worte über Aas Ludenthum gesprochen haben, welches in seiner Entwickelung einen ganz eigenthümlichen und den beiden bisher gezeichneten Richtungen beinahe entgegengesetzten Gang genommen hatte. Das Land, das unsere Väter bewohnten, kann hier gar nicht in Betracht gezogen werden, um die religiöse Entwicklung unseres Volkes zu erklären. Das Land ist geschaffen, ein stilles Eden zu sein, wo ein biederes Bergvolk, durch steile Felsen ringsum von den Gräueln der Menschheit abgeschlossen, und auf der einen Seite, an der Küste eines vielbefahrenen Meeres, mit den unumgänglich nothwendigen Verkehrsmitteln versorgt, einer einfachen glücklichen Lebensweise sich hingeben kann. Auch ist die heilige Religion der Inden nicht der umfaßendste Ausdruck für deren Charakter wie bei den oben gezeichneten Völkerschaften; denn die Juden sind das einzige Volk des Älterthums, dessen Religion keine aus dem Leben der Nation sich entwickelnde war. Der Jude schuf sich seine Religion eben so wenig.