Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 246)
- Language
- German
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108 Bilder aus schaft seiner gegründeten Hoffnung hat. Dieses ist das Geheimniß seiner Fortdauer zu jeder Zeit, in der er nur den treuen Herold seiner Zukunft sah; diese Zuversicht, dieses edle Vertrauen führt ihn sicher durch den Wogenbrand der Weltgeschichte. Was der Inhalt dieser Hoffnungen sei, welche Idee der Sendung des israelitischen Volkes zu Grunde lieget — darüber ward in neuern Zeiten mehr denn je gesprochen und gefaselt, geforscht und geklügelt. Man ziehet allerseits die Vergangenheit zu Rathe, und das Studium der Geschichte ist darum heut zu Tage der Tumultplatz geistiger Koriphäen geworden. Vieles ist an das Licht getreten, und wir verdanken diesen 'neuern Bestrebungen bereits ein klareres Bewußtsein über manches aus dem Leben unseres Volkes, welches zur Hebung eines besseren Selbstgefübles unter uns nicht wenig beitragen könnte. Die neuere Zeit hat uns das Mort (einen gar wichtigen Gewinnst) für die edleren Elemente, die im Judenthum'e schlummerten, geschaffen, die, flüssig gemacht und in die Massen gebracht, nur von segensreichstem Erfolge sein können. Aber wir dürfen auch nicht übersehen, daß die Ereignisse, welche auf diese Forschungen hingedrängt haben, das Produkt bedenklicher Zustände und die Wirkung bedrohlicher Einflüsse sind. Schwer wie Gewitterwolken hängen die Zeitsragen über Israels Haupte nieder; Fragen, die von Jahrhunderten vorbereitet wurden, das Unsrige hat sie aufgeworfen; Jahrhunderte können an der Antwort arbeiten, die eine späte Zeit einst geben wird. Scharfe, zersetzende Kritik und sprudelnder Witz, der gesinnungsloseste Jndifferentismus und schamlose Indolenz und Entfremdung, vorherrschende industrielle Strebung, Blasirtheit und Uebersättigung an leiblichen wie an geistigen Genüssen, Partheikampf und Sektenwuth waren stets Symptome nahen Verfalles. Ob das die Schwächen der Gegenwart seien, mögen unsere Nachkommen beurtheilen; denn der Mensch lernt die Zeit erst kennen, wenn er über dem Niveau derselben steht, und die Gegenwart aufgehört hat, eine solche zu sein. Aber wozu würden uns die vielen Wiederholungen der Geschichte nützen, wenn wir durchaus keine Erfahrungen daraus entnehmen wollten? Kennen wir auch die Ideen noch nicht, die im Schooße der Zeiten schlummern, so kann es gewiß nicht ohne Frommen sein, die Gesetze des Gährungsprozesses zu ermitteln, nach welchen sich das Bewußtsein klärt. So kommen wir auf das zurück, von dem wir im Anfänge ausgegangen, daß nähmlich der Kreislauf der Geschichte ein sehr regelmäßiger in sich zurückkehrender sei, und daß es nur von den fruchtbarsten Erfolgen sein könne, die parallelen Erscheinungen in den Schicksalen unserer Nation zu vergleichen und zusammenzustellen. Mithin wollen wir durch die voraehende Betrachtung die folgenden Skizzen eingeleitet babem