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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 197

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 197 (sequence 245)
Language
German
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IRI
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Alexandriens Vor zeit. 197 Aeine Welt, in der sich die große Umgebung abgespiegelt, wir waren so ein compendirter Auszug der großen vielbändigen Weltchronik — eine synchronistische Tabelle der ganzen Weltgeschichte. Man muß es nur kennen dieses abenteuerliche 4000jährige Leben unseres Volkes diese wahrgewordene Fabel, die kein z weiflend es Geschlecht uns wegdemonstrirt, diese unerklärliche Fortdauer in Leid und Freud, in Druck und Freiheit, in Dürftigkeit und Fülle —man kenne es nur — und alle die klügtenden Hypothesen scheitern an diesem geschichtlichen Wunder.- Und welches ist der unverwüstliche Kern, den keines Tyrannen Wuth und keines Gleißners Schmeichelrede je zerstören konnte? Es ist nichts anders, als — der Glaube an eine Vergangenheit und eine immer schöner sich gestaltende Zukunft Wenn ein Weiser der Vorwelt aus dem Graus der Zerstörung m einem wilobewegten Jahrhundert entfliehen wollte; da suchte er in Len Hallen der Vergangenheit seine Zufluchtsstätte, und fand da den Trost in der Geschichte, wenn die Welt um ihn her der Zerwürfnis und der Zerrüttung entgegenging. Bessere Zeiten dünkten ihm stets die entschwundenen als die kommenden Tage, und wunderholde Sagen von einem goldenen Zeitalter tönen noch zu uns herüber, wie die Heiden sie gesungen. Aber so lachend der Heide seine Vorzeit dichtet, so finster malt er sich die Zukunft aus. Mit Grauen lesen wir die schauerlichen Orakel von dem Untergang der Welt, die sie prophetisch in die Nachwelt schickten. Nicht so die jüdische Lehre! Wohl klagen, Blitze sprühend, die Propheten; wohl stürzen wie Regenschauer eines Jesaia's Strafreden nieder, und herzzerreißender Schmerz spricht aus Jeremias Klageliedern über sein zerklüftetes Volk. Wohl preist uns die Schrift die Tage aus dem Garten Eden an, dem blüthenreichen Lenz der Menschheit; wohl wissen wir, daß die Cherubim mit flammendem Schwerte davor gelagert sind, und die Frohnvögte der Begebenheiten, die Schwung und Triebräder der Geschichte, uns immer vorwärts eine Bahn getrieben, die bei jedem Schritte weiter, hinter uns zusammenbricht. Aber wie verheißungsvoll winkt die Zukunft uns entgegen! Wie golden, gleich des Paradieses Tagen, sind die Zeiten des — M essias! Zwischen dem Paradiese und dem Messias liegt eine öde Gegenwart, wie die Nacht zwischen zweien Tagesenden — das ist Israels Lehre und Ueberzeugung, sein Glaube und seine Hoffnung, sein unveräußerliches Gut, welches ihm keines Wütherichs blutige Geisel und keines Seelenschacherers Glattzüngigkeit je entreißen konnte. Darum findet der Jude nur dann seinen Frieden in den Jrrsalen seines Lebens, wenn er dem heidnischen Friedensgotte gleich, mit einem Gesichte vorwärts, mit einem andern rückwärts schauet, und in der Unsterblichkeit der ewigen Ideen die Bürg-

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