Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 222)
- Language
- German
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172 Mein Ueurgroßvatee Leb. Zimmer und Leb hätte im Wagen draußen kaum geglaubt, daß dieses nicht große Gebäude solche riesige Säle einfaßte. Mehr als zwanzig der aufs Reichste gekleideten Herren unv Damen empfingen in diesem Saale die beiden Eintretenden. Die Diener blieben im Empfangssaale und die mit Orden und Bändern geschmückten Herrschaften verbeugten sich tief vor Leb und seinem Begleiter. Dieser letztere würdigte die in Ehrfurcht Harrenden kaum eines Blickes oder Grußes, sondern wandte sich lächelnd zu L e b und sprach mit freundlichst bittender Stimme: Entschuldigt mich, mein lieber Gast, daß ich jetzt mich auf wenige Augenblicke von Euch entferne; ich will meine geliebte Gattin begrüßen, die in jenem Zimmer liegt. Leb verbeugte sich aufs Ehrfurchtvollste und der Herr des Hauses trat in ein kleines Nebenzimmer, worin die hohe Wöchnerin lag. Da keiner der umstehenden Herren und Damen Miene zum Reden machte, auch Leb von dieser unendlichen Pracht zu eingeschüchtert war, um ein Gespräch mit einem anzufangen, begann er die herrlichen Bilder des Saales zu mustern. Ein großer vielarmiger Kristallüster ergoß ein blendendes Licht ringsumher, und Leb konnte sich nicht satt genug an diesem Meisterwerke sehen. Da öffnete sich die Thüre des kleinen Nebenzimmers und aus der Schwelle winkte der Besitzer dieser Schätze dem trunkenen Beschauer. Leb trat hinzu und stand bald in einem kleinen Kabinetchen, wo die Frau des Hauses im Bette lag und sich zum Gruße bei seinem Eintritte etwas erhob. Alles was Leb bis jetzt gesehen, schwand wie ein Schatten vor dem unbeschreiblichen Glanz der reizenden Pracht dieses Anblickes. Die Wände des kleinen Zimmerchens waren von rothem golddurchstickten Damast belegt; der ganze Boden war ein langharriges, seidenartiges, lichtgelbes Fell eines ihm gänzlich unbekannten Thieres, alle Möbel waren von schwarzem Zederholz und mit echten Perlen eingelegt; alle.Geschirre der Patientin aus gediegenem Gold; das Bett war von den feinsten durchbrochenen Brüssler Spitzen bedeckt — alles aber war arm und unscheinlich gegen das glanzübergossene Angesicht der göttlich schönen Frau. Entsetzt fuhr jetzt Leb zurück; — ja,