Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 221)
- Language
- German
- Belongs to
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Mein Ururgroßvatee Leb. 171 heraus. Der weicheste Seidenteppich lag in der großen Flur des Hauses, das von hundert Fackeln erleuchtet war. Die breite Niesentreppe war aus blendend weißem Marmor. Zu beiden Seiten standen die seltensten, in dieser Jahreszeit nie gesehenen Pflanzen und die herrlichsten Marmorbüsten waren, von Blumen und Früchten umgeben, in kleinen Nischen vertheilt. Rechts und links waren manngroße Spiegel in die Mauer eingesetzt, die von den vielen Lichtern wiederstrahlend an die Wunder von Tausend und einer Nacht erinnerten. Es sollte aber noch ganz anders kommen, Leb ging wie ein Träumender durch die Flur die Treppe hinauf f begleitet von seinem Reisegefährten und einer Unzahl von Dienern, deren jeder, wenn Leb umblickte, sich ehrfürchtigst verbeugte. Im ersten Stockwerke angelangt, empfing den vor Ueberraschung gar nicht zu sich Kommenden ein Greis mit Silberhaar und langem feierlichen Talar. Dieser reichte ihm die Hand zum Gruße und winkte dann zweien Mohren, die hastig hinzusprangen und ihm einen großen Glaspocal, gefüllt mit herrlich duftendem Weine, reichten. Friede mit Euch, rief der Greis dem Ankommenden entgegen, Friede mit Euch; möge Euer Eingang wie Euer Ausgang in dieses Haus gesegnet sein. Ich trinke Euer Wohl; er nippte an den Becher und wollte ihn dem Fremdling reichen, als dieser den üblichen Spruch begann: Gelobt seist du unser Gott, König der Welt, der du die Frucht der Rebe erschufest. Leb wollte nach dem Becher greisen, da ließ ihn der Greis fallen. Ein Blitz des Hasses aus Reb Rüben Aschers Augen belohnte diese Ungeschicklichkeit; Leb schritt in das erste Zimmer, das als Empfangszimmer diente. Himmelblauer Sammt diente den Mauern zur Bedeckung darin; der Schimmer der mit mattem Glase bedeckten Lampen webte märchenhaft die silbernen Strahlenfäden darauf. Die Thüren waren golvbelegt; Stühle und Sopha wie die Wand mit blauem Sammt überzogen, die Tische vergoldet und mit einer Marmorplatte aus einem Stücke. Leb kam nicht zu Worten; lautlos folgte er dem voranschreitenden Herrn, der ihn jetzt in das zweite Zimmer führte; es war mehr ein Saal, als ein 8 * *