Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 223)
- Language
- German
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Mein Ururgroßvatcr Leb. 173 er täuschte sich nicht, es war — Ehannele! Ein zartes Lächeln von ihr sollte dem Gaste die Freude über seine Ankunft und Gegenwart ausdrücken; ein Zug von Schmerz und träumerischer Melancholie verschmolz mit diesem Lächeln zu einem Zauber der Mienen, wie sie Leb nie geahnt hätte. Diese dunklen Augen wie leuchtende Karfunkel, dieses in beiden Flechten um die hohe Stirne gelegte Haar! Es lag ein Zauber darin, der den staunenden Jüngling fast überwältigt hätte, zu ihrem Bette in inbrünstiger Anbetung hinzuknieen. Das ist unser Gast mein geliebtes Weib, begann Reb Rüben, da Leb, in wortloser Anschauung versunken, die übliche Begrüßung zu sprechen vergaß; bewege dich nicht, liebes Kind, er nimmt derweil mit dem Gruß vorlieb; wenn du wieder stark und gesund sein wirst, sollst du es ihm schon einbringen; die Leidende nickte dem Gaste mit himmlischer Güte zu, so daß dieser mit bebender Stimme sagte: Möge Gottes Segen Euch bald genesen lassen, und Euch uno uns immer aus der Gefahr erretten. Da nickte die Kranke schwach, wie dankend; aber der herbste Schmerz lag in ihren Blicken dabei, so, daß Rüben, als ihn ihr Auge suchte, den Blick auf wenige Augenblicke zu Boden senkte. Reiche dem lieben Gaste den Becher zum Trünke, begann? wieder Rüben zur Thüre eilend, ich bestelle das Nachtmahl hierher und bin gleich wieder da. Er wartete noch ab, bis die Frau dem Gaste, noch immer nicht ihr hartnäckiges Schweigen brechend, den Becher zum Trünke reichte, und wie der ihn zu den Lippen führte, ging Rüben hinaus. Trinke nicht! rief jetzt mit tonloser gedrückter Stimme die Frau und fiel dem eben den Becher all die Lippen Setzendel? in den Arm; so dir dein Leben und dein ewiges Wohl lieb ist, fuhr sie flüsternd und seine Hand krampfhaft pressend fort, so genieße nichts in diesem Hause. Esse nichts, trinke nichts, nimm nichts zum Geschenke an, auch wenn es nur einen Strohs Halm werth wäre; sie sind alle Schedim, der Hölle böse Geister, fuhr sie noch leiser fort, Entsetzen in den weit aufgerissemen Augen, Todtenblässe in dem schönen Engelsgesicht; ge-