Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 203)
- Language
- German
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Mein Unrrgroßvüter Leb. auch so ehrlich zu finden. Er ist dabei roch bis zum Weiffel vom Auge geworden und bat gesagt, er möcht den Menschen kennen, der einem Seraph von Gesicht zu Angesicht nicht eben so ehrlich sein müßte. Seit damals hat er sie nicht gesehen; den andern Tag, sagte er mir, hofft er sie aberbeimNov zu treffen, der zu der Faschingtafel ihren Vater mit ihr geladen hat. Vergeß an Ehannele nit, Hab ich ihn noch gebeten und Hab gelacht; er hat mir aber ganz ernst zur Antwort gegeben: Ehannele hat einen Fehler und der is, sie ist zu gut für mich. Wen ich gern haben soll, mit dem muß ich manchmal zanken können , sie gibt mir gar nie Ursache dazu. Dös ist noch kan Fehler, sag ich darauf, wenn die Braut schwarze Augen hat! Er ist aber weggegangen; den andern Tag bei Nacht ist er neben ihr gesessen, und gestern früh hats geheißen, morgen ist Tno'mschreiben. — Während in einer kleinen Ouerstraße der Tarnowitzer Judengasse obige Scene vorging, während Alles im Hause zur Ruhe ging und nur Ehannele weinend die glühende Stirne an die Fensterscheibe drückte und des geliebten ungetreuen Mannes dachte, saß dieser zwei Gassen weit in'einem Hause, das, wie oft in diesem Leben die ertremsten Schicksale eng aneinander gerückt sind, von den lautesten Rufen der Freude und des Jubels wiederhaltte. Obgleich erst morgen die Dekunrente unterschrieben werden sollten, sah man es doch aus alten Mienen und aus alten Umständen, daß dem Glücke der beiden Liebenden nichts mehr im Wege stehe. Während in den ersten Zimmern die Honoratioren und Subalternen der Stadt mit lautem Jubel eine Flasche Wein nach der andern leerten, während der Schalksnarr auf den Tisch stieg, seine derben Possen trieb und die Zuhörer in ausgelassener Fröhlichkeit sich vor Lachen schüttelten, saßen im letzten, von einer mattgeschliffenen Glaslampe nicht zu helle erleuchteten Kabinete die beiden Glücklichen. Ein roth damaftner Vorhang vertrat die Stelle der Thüre und verhüllte das reizende Bild der sich küssenden Liebenden den profanen Blicken der Menge. Sie hatte die feinste, edelste Miene, die je eine der