Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 204)
- Language
- German
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154 Mein Ururgroßvater Leb. Töchter Jakobs zu dem reizendsten der Geschöpfe machte. Die hohe, schlanke Gestalt war majestätisch; die lange, fein geschnittene Nase, die hohe Stirne, am meisten aber der versengende Glutenblick, der schrecklich in der Wuth sein mochte, und der jetzt alles Feuer in das Auge ihres Geklebten strömen ließ, Alles an ihr war unterjochend und kampflose Ergebung gebietend. Der glückliche Erwählte hielt das holde Mävchenbild an seine Brust gedrückt. Seine ernste vom hellsten klaren Geist beseelte Miene belehrte Jeden auf dem erstell Blick, wie weitumfassend der Geist dieses Mannes sein mag und wie stolz er die eigne Geistesübermacht vor so vielen Andern fühle. Wer die Beiden in dem Augenblick ihres Liebeschwurs gesehen hatte, konnte sich des Bildes der Rebe nicht erwehren, die ihre üppigen vollgereiften Trauben mit sehnenden Rankenarmen um die hohe edle Marmorsäule schlingt. Sie hatte den küssemüden Mund aufseine weiße blaugeäderte und tiesgefurchte Stirne gedrückt, mit beiden Händen preßte sie seine Rechte an ihre Brust mit einer Gewalt, die sehr gegen die Kraftlosigkeit konrrastirre, die man aus den tiefliegenden, jetzt fast glanzlosen Augen, aus dem gepreßten zarten Athen: hätte schließen sollen. Mit seiner Linken hatte er den schlanken Leib umfaßt und sinnend und lächelnd suchte sein kluger Blick in ihren holden Zügen das süße Geheimniß zu lesen, das er aus diesem höherwallenden Busen ahnen durfte, dessen Gewährung er von diesen kleinen Purpurlippen bald werde küssen dürfen. Ein leises Rauschen des Vorhanges weckte die Seligen aus dem wortlosen Austausche der Gefühle, aus dem ersten Geständniß ihrer Liebe, diesem Dust, dieser Musik unseres glücklichsten Traumes. Es wird der Vater sein, lispelte sie, er sucht mich und will, daß ich in so später Stunde nicht mehr mit dir beisammen bleibe. Lächelnd drückte er den letzten Kuß auf ihre Lippen — sie schieden. Während sie durch den Vorhang schlüpfte, sagte sie mit seligem Blicke dem eintretenden Vater „gute Nacht," mit der sreundlichsten, liebendsten Miene erwiederte der zärtliche Vater