Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 202)
- Language
- German
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152 Mein Ueurgroßvater Leb. werden, Channele lächelte wieder, wie der auf Hoffnung Verzichtende lächelt, wenn man ihm Trost spricht und zwei Thränen rollten aus den schönen Augen. Sie zündete das ausgelöschte Licht wieder an, sagte beiden gute Nacht und ging in ihre Kammer. Mir blutet das Herz, begann wieder Nesel, als die Schwester weggegangen war; sie hat ihn gern wie ihren Augapfel; und noch wegen so einer hergelaufenen Person, so ein Engelgesicht zu verlassen. — Heute ist es gerade ein Jahr, daß sie mit ihrem Vater hergefahren kommen ist, begann der Doktor; vier schwere Kisten Silbergeld hat sie mitgebracht. Letzten Estertaincsbin ich noch mitL e b in der Schule beisammen gestanden und haben wir noch von ihr gercdt, und daß es gar nicht mit rechten Dingen zugeht, die Pracht und der -Aufwand, den sie macht; immer in Sammt und Seide, goldene Ketten, so oft sie wo hinkommt andere Ringe am Finger, gleich in der ersten Woche hat ihr Vater sich einen eigenen Schlachter aufgeuommen, eine eigene Hausschul und eine Sukke (Laubhütte) im Hof bauen lassen. Dem Rabbi schickt er jeden Freitag zwei goldene Dukaten, dem Chasen jeden Sonntag zwei Thaler; die Reichthümer der Zimmer sollen gar nicht zu beschreiben sein. Und hat Leb sie schon damals gekeimt? srug Nesel, die gespannt dem alten Schwätzer zuhörte; denn die Inden in den kleinen Städtchen werden mit den Jahren noch viel redseliger als die Frauen, und so fuhr der Alte, nachdem er wieder eine Prise genommen hatte, zu reden fort: Damals hat er sie, wie er mir sagte, erst einmal in der kleinen Gasse gesehen. Er hätte sie gar nicht bemerkt; aber sie war vor ihm hergegangen und läßt auf ein Mal ihr Zeikerl (Hängbeutelchcu) fallen. Er hat sich geschwind gebückt und hat ihrs zurückgegeben; sie hat ihm gedankt, hat aber ein Beutele Geld daraus genommen und ihn gebeten es für sie an die arme Leut zu geben, weil ihr das Zeikerl so viel werth und theuer ist. Und wie er ganz verbüfft das Beutele voll Dukaten seht, hat sie fein über sein Staunen gelächelt und hat gesagt, sie zahlts nicht zu theuer, weil sie zugleich das Vergnügen gehabt hat, einen so gelehrten Mann