Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 172)
- Language
- German
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, Edler von Honigsberg. 12k geistern verstand. Sein scharfes Auge hatte die Männer bald herausgefunden, die seinen Ideen als Handlanger dienten. Jener Patriotismus, den er sich entgegendrängen sah, forderte Berücksichtigung, offene Bahnen, lohnende Förderung; Josiph gewährte sie ihm. Eines Tages bewies er, wie hoch seine Seele über den beschränkt engen Gedanken eines großen Theiles seiner Mit- und Nachwelt stand, und er Unterzeichnete das erste Pergament, das einem Juden die-Pforten der österreichischen Adels- Halle öffnete. Israel Hönig wurde Israel Hönig Edler von Hönigsberg. Ob hier Joseph das Individuum oder die Nationalität belohnen wollte, bleibt uns ungewiß. Nehmen wir an, daß er beide Momente zugleich im Auge hatte. Indem er einen Juden in den Adelsstand erhob, gab er dem jüdischen Bewußtsein einen Haltpunkt, der ihm in seinen Bestrebungen und Fortschritten voran leuchten sollte. Indem er den Glanz einer bevorzugten Klasse auf ein Individuum warf, wollte er, daß die Nation sich darin gestärkt und beachtet finde, deren geistige Erweckung er sich zum Augenmerk gemacht hatte. Offenbar ging hier Joseph eine ganz unregelmäßige Logik ein; vielleicht hatte früher die Nation als Ganzes vorankommen, und dann erst das Individuum als Theil folgen sollen. Aber bei dem raschen, über Zeit und Umstände sich hinausschwingenden Charakter dieses Herrschers kann ein solches Verfahren nicht in Verwunderung setzen; ihm galt es, die Dinge in ihrem Schwünge zu ergreifen — und so kam es freilich, daß er das Individuum früher erblickte und zu sich heranzog. Man hat in der Adelserhebung eines Juden von jeher einen Widerspruch mit dem Geiste zu finden geglaubt, aus dem der Adel hervorgegangen sei. Der Adel, sagte man, sei eine Institution ganz christlicher Art, und indem man ihn einem Juden verleihe, dränge man ihm Bestandtheile auf, die ihm nicht eigen sind. Wir lassen es unentschieden, ob das neunzehnte Jahrhundert nicht mehr solcher Anomalien ausgebrütet hat. Wir haben in neuerer Zeit das überaus seltene Beispiel erlebt, daß man an die Brust des Juden Ordens kreuze und Bänder Busch'S Jahrbuch VI. tz