Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 167)
- Language
- German
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die Familie Luzzattv. 115 lang Kinderlehrer und noch mit 40 Jahren begann er die hebräische Grammatik zu studiren, worin er beim Rabbiner Vital 6wm) Benjamin Segre, dem Vater meines Schwiegervaters, Unterricht nahm. Er starb im August 1806, 60 Jahre alt, an Wassersucht; und hinterließ den Ruf eines genialen Menschen. Ezechia war mein Vater. Die Juden hatten in den Staaten der venetianischen Republik keinen stabilen Aufenthalt, aber sie wohnten da Kraft eines Dekretes, Condotta genannt, das auf 10 Jahre galt und mit jedem Jahrzehend erneuert wurde. Im Jahre 1777 wurde die neue Condotta veröffentlicht, aus 96 Kapiteln (oder Paragraphen auf 40 Seiten in Quart) bestehend. Im 83. Kapitel wird den Juden das Wohnen in jedem Dorfe des Staates verboten; wofern der Senat nicht eine besondere Erlaubniß dazu ertheilt hätte. Die jüdische Gemeinde in San Daniel, (gleichwie die andern, welche in verschiedenen Dörfern der venetianischen Provinzen wohnten,) löste sich dadurch auf, ganze Familien befanden sich ohne Zufluchtsstätte und viele ohne die nöthigsten Mittel zu ihrer Erhaltung. Es war ein großes Glück für jene Unglücklichen, daß sie einen Patrioten in Triest hatten, den schon oben genannten R. Marco Luzzatto, der das Mitleid der Triestiner zu ihren Gunsten anregte, und von mehreren großmüthigen Reichen dieser Stadt unterstützt, seine armen Mitbrüder auch mehreren andern jüdischen Gemeinden auf das wärmste empfahl. Ich besitze die Skizzen von vier hebräischen Briefen, welche er in dieser Angelegenheit schrieb. Der erste vom 15. Tebeth 5538 (4. Jänner 1778) an den Vorstand der Gemeinde Venedig's, welchen er bittet, daß sie Geldunterstützung den armen Verbannten senden möchten, wobei er das Beispiel der Triestiner anführt, welche schon ihre großherzigen Beiträge geschickt hatten. Es ist darin der menschenfreundliche reiche Markus Levr aus Triest nach Verdienst gelobt, der nicht nur seine Mitbürger zum frommen Werke angeregt hatte, sondern die Unglücklichen auch dm Gemeinden von Mantua und Livorno empfohlen. Der 2. vom 34. Elul 5538 (17. September 1778) ist an die Menschenfreunde der Gemeinde Triest's gerichtet. Die unglücklichen Verbannten erklären darin, daß sie wohl dankbar für die Güte des Markus Levi, der für sie von Wien die Erlaubniß erlangt hatte, sich in Triest niederzulaffen, allein daß sie schwerlich die Miethe für das nöthige Obdach würden bezahlen können, nachdem sie sich in diese Stadt würden begeben haben; und sie bitten daher, die Triestiner möchten noch das Opfer bringen, ihnen Geld zu senden, womit sie bei ihrer Ankunft die Wohnungen miethen könnten. Eine so unbescheidene Allforderung gereicht dem humanen und großmüthigen Charakter der Triestiner, an die man sie zu richten wagte, zur größten Ehre.