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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 107

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 107 (sequence 159)
Language
German
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IRI
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die Familie Luzzatto. ivr durch die menschliche Autorität erleidet. Pythagoras und Aristoteles hatten Reden zur Verteidigung der Autorität, behauptend, daß die Vernunft, ihrer eigenen Willkür überlassen, die Verstandeswelt mit Ungeheuern Zrrthnmern erfüllt habe, daher es nöthig sei, die Geister zu zügeln, und daß sie sich der Meinung derjenigen fügen, die durch ihre hohe Einsicht sich die allgemeine Achtung erworben. Allein die Akademie billigte nicht das Votum des Aristoteles, sondern entschied, daß zur Bewerkstelligung der Reform, für welche sie gestiftet worden, die Vernunft völlig in Freiheit zu setzen sei und die menschliche Autorität all ihrer Vorrechte entsetzt werde. Nachdem nun die Geister in Freiheit gesetzt worden, wird eine Klage gegen Sokrates geführt, den man des Versuchs eines Umsturzes der menschlichen Wissenschaften beschuldigt. Die Akademie unterrichtet den Sokrates von der Anklage, und fordert ihn auf sich zu rechtfertigen; der größte Lheil des Buches enthält nun die von ihm ausgesprochene Vertheidigung. Einige Akademiker waren, nachdem sie diese angehört hatten, der Meinung, Sokrates freizusprechen, ja ihn zu belohnen und irgend eine öffentliche Ehrenbezeugung ihm angedeihen zu lassen; Andere meinten, man solle ihn verdammen. Aber Plats's Votum, das Urtheil zu verschieben und sich eines bestimmten Ausspruches zu enthalten, war das vorherrschende. Ich müßte zu weitläufig werden, wollte ich einen Auszug dieses Werkes geben; ich werde nur das sagen, was ich über die Tendenz und den Zweck des Verfassers denke. Es war das Jahrhundert des Cartesius. Die Autorität des Aristoteles war erschüttert, die Scholastik die sich bessissen hatte, die Philosophie mit der Theologie zu vereinen, war geringgeschätzt, die Systeme der alten griechischen Philosophen kamen wieder in Schwung, die heilsamsten Glaubenssätze drohten unterzugehn. Unser Simon Luzzatto, ein sehr gelehrter Philosoph, und zugleich ein frommer Mann, fand es für den Glauben ersprießlich und dem gesellschaftlichen Woyle förderlich, die Unsicherheit der menschlichen Spekulationen in Helles Licht zu setzen, nicht um die Menschen zum Skeptizismus zu führen, sondern um die Keckheit der Afterphilosophenzu demnthigen, und den Gläubigen die Waffen gegen ihre Angriffe zu geben Er selbst drückt sich folgender Massen aus: (S. 1) „Das Vorgesetzte Ziel dieser Arbeit ist nicht die Vertheidigung der „trägen sich blähenden Unwissenheit, welche voll Eigendünkel ist und „auf's Geradewohl sich leitet, sondern der schüchternen, bescheidenen, „welche sich nicht verwegen Etwas anmaßt, das ihr nicht gehört. Sokrates „bekämpft das menschliche Wissen — nicht das eingegebene, von „einem höhern Geiste offenbarte; und aus dieser Abhandlung ergibt sich, „daß wir — die Schwäche unseres angeborenen Verstandes erkennend — „uns den Aussprüchen und dem Zeugnisse der heiligen Schriften an- ,/schmiegen sollen."

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