Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 150)
- Language
- German
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98 Nachrichten über stellung der alten Erziehungsweise bei den Juden des Nordens und der Hindernisse, welche er zu übersteigen hatte, um sich Kenntnisse zu erwerben; was sowohl seine Bescheidenheit als die liebevolle Anhänglichkeit an seine Glaubensgenossen nicht zuließ. Bei mir ist das nicht der Fall, denn bei den Juden Italiens hat jener Widerwille gegen Kultur und Wissenschaften nie Wurzel gefaßt, zudem haben mir schon die weisen und wohlthätigen Verordnungen Z o s e p h's II. zu allen Studien den Weg geebnet. Auch in einer andern Beziehung war Mendelssohns Jahrhundert von dem unfern verschieden; damals wurde unter uns noch nicht wie in unfern Tagen das Alterthum gepflegt, man spürte noch nicht so sorgsättig alten Manuskripten und Schriftsteller-Namen nach, man stritt noch nicht so viel über Lebenszeit und Vaterland der Alten. Ich aber, der ich mich seit einer Reihe von Jahren mit ähnlichen Forschungen beschäftige, und mehrere meiner geschätzten Freunde sich solchen Untersuchungen widmen sehe, muß die Kleinigkeiten eines Privatlebens mit anderm Auge betrachten als Mendelssohn, der sein Denken vorzüglich den metaphisischen und ewigen Wahrheiten weihte. Die Freunde der Alterthümer werden mir es gerne verzeihen, und vielleicht Dank wissen, wenn ich einige Seiten den Luzzatto im Allgemeinen widme, ehe ich von mir selbst und meinen Aeltern spreche, da diese Familie schon seit drei Jahrhunderten in der jüdischen Literatur gekannt ist. _ Die Familie Luzzatto existirt in Venedig schon seit vierhundert Jahren, denn im Jahre 1651 schrieb der venetianische Rabbiner Simon Luzzatto in der Zueignungsschrift seines ״Sokrates" an den Dogen von Venedig und Senat: ich, Dero untergebenster Unterthan mb Diener, geboren unter diesem glücklichen Himmelsstrich und glorreichen Staate,׳ gleichwie meine Vorfahren schon durch zwei Jahrhunderte. Mündlicher Ueberlieferung zufolge ist der Ursprung der Familie aus der Lausitz, welches Land auf latem Lusatia heißt; man würde daher richtiger ״Lusato“ schreiben, doch schon 1638 schrieb obgenannter Rabbiner Simon: Luzzatto mit zwei z und zwei t und diese Or- Lographie ist, so viel ich weiß, allgemein in der Familie, nur daß einige wenige Luzzatti mit L schreiben. Der Verfasser des כפתור ופרח (im Jahre 1580) schrieb sich ״aus dem Hause der לוצאטי" und im טעמי המצות findet man ihn יעקב לוצאטו genannt. In der Vorrede des צמח חד liest man לוציאטו mit י , aber dies einzige Beispiel kann uns wohl nicht berechtigen (gegen die besagte. Tradition) anzunehmen, daß die Familie ihren Namen von Lucio (לוציו) herleite, welcher Name auck> zufällig in derselben Vorrede als der eines um das Jahr 1506׳ lebenden Luzzatto vorkömmt. Keine italienische Familie heißt Davi-