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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 72

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 72 (sequence 125)
Language
German
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IRI
…/2609281-3184086--1615-3185727
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72 Briese aus Galizien. nicht gegeben, und konnte es nicht geben. Es fehlt aber auch jetzt an Männern, die diesem hinsichtlich des redlichen Wollens nnd Strebens und des allgemeinen Zutrauens auch nur von ferne zu vergleichen wären Die Zeit ist indeß auch an unfern reichen Orthodoxen nicht spurlos vorbeigezogen, sie haben neue Lebensgenüsse und Bequemlichkeiten kennen gelernt, so daß sie an dem strengen asketischen Leben eines Rabbiners alten Schlages kein Behagen mehr finden können. Sie merken nachgerade auch, daß der Rabbinertitel nicht mehr gar viel bedeute, daß sich neue Lorbeeren nicht so leicht sammeln lassen, wie die alten Abnen in Andenken erhalten, und daß das Amt, wenn nur billigen Anforderungen genügt werden soll, eine immer schwerer werdende Dienstbarfeit fei:כל המתמנה על הצבור נעשה עבר לצבור. Hochgeborene Herren wögen aber nicht Diener werden. Höchstens dürfte der Eine oder der Andere nach den ersten Rabbinaten des Landes Gelüste tragen, bei welchen aber, wenigstens von Seiten der Behörden, am meisten auf regelmäßige Studien bestanden wird, die unserer orthodoxen Parthei noch ein Gräuel sind. Fällt aber der Adelsglanz weg, so hat das Rabbinat hier zu Lande mit seinem schlechten Einkommen und seinen schweren Wagen und bei der Nebenbuhlerschaft der צדיקים, denen die Masse huldigt, in den größten Gemeinden wenig Anlockendes mehr. Kein Wunder daher, daß es an Kandidaten fehlt, und daß sich nicht einmal rathen läßt, was für Seelenhirten wir in der nächsten Zukunft bekommen werden. Mit den ישיבות fehlt hier jeden Falts der Stamm, aus dem die tüchtigsten jetzt lebenden Rabbiner alter Farben in Deutschland und Ungarn hervorgegangen. So wenig reellen Werth man auch der auf jenen Anstalten üblichen Lehrmethode beilegen mag, so läßt sich doch die mächtige Anregung zum Forschen und freien Denken nicht verkennen, die dort gegeben wurde. Es war da wenigstens insofern ein theologisch - wissenschastliches Leben, als man das praktische Resultat der kühnen Untersuchung, (auf welches übrigens kein Gewicht gelegt wurde), nicht scheute, und keinen Autoritätszwang gelten ließ,

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