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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 73

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 73 (sequence 126)
Language
German
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IRI
…/2609281-3184086--1616-3185728
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Briefe aus Galizien. 73 obschon man immerfort auf talmudischem Boden sich bewegte. Ganz anders wurde hier zu Lande das Talmudstudium betrieben. Da wurden schon dem Kinde, dem ja immer das Rabbinat als Ziel vorschwebte, ש״ע und פוסקים אחרונים beigebracht, und herrschte bei der spitzfindigsten und phantastischsten Erörterung eine deprimirende Ängstlichkeit und kleinliche Rückstchtsnähme auf das Bestehende und Gebräuchliche, die mit der Heuchelei Hand in Hand gehet. Desto leichter führte jede Abweichung, jede freiere Bewegung (un Denken oder Handeln) zum andern Ertreme. Daher fehlt es auch ganz an Männern, die in dieser schwierigen Übergangsperiode das Vermittelungsgeschäft zu übernehmen geeignet wären. Der Jugendunterricht wird daher noch lange das einüge Feld bleiben, auf dem sich mit sicherem Erfolge wirken läßt, und zwar sollten diejenigen, die hierin etwas zu leisten beabsichtigen, sich nicht mit halben Maßregeln als: Verbesserung der הדרים und der N״N - Anstalten begnügen, deren Erfolg immer ein halber bleiben muß, und die vielleicht noch schwerer durchzusetzen sein dürsten als die Errichtung einer Schule für den Gesammtunterricht. Für diese wirkt am erfolgreichsten der Materialismus des Lebens, da der gemeine Mann immer mehr zur Einsicht kommt, wie nothwendig es ist, daß sein Kind lesen, schreiben und rechnen lerne, und darüber ein Zeugniß erhalte. Was es außerdem an intellektueller und moralischer Bildung in den Kauf erhält, ist baarer Gewinn. Die Jugend der untersten und ärmsten Volksklasse, die keinen Sinn und keine Sorge für die ferne Zukunft hat, wird durch theilweise Bespeisung und Bekleidung (und sie hat den gerechtesten Anspruch auf diese Wohlthaten!) leicht für die Schule zu gewinnen sein. Wo am meisten gesündigt worden ist, da muß auch das größte Sühnopfer gebracht werden. Eine Belehrung des Volkes durch Schriften kann, wie auch Sie ganz richtig bemerken, keine erhebliche Wirkung her- Vorbringen, so lange mehr als 9/,0 weder deutsch noch hebräisch verstehen, und wird erst mit Erfolg erzielt werden können, wenn Lnsch's Jahrbuch. VI. 4

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