Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Galizien. 67 in Schmucksachen bestehend, Lei einem Wucherer verpfändet ist. Wenn er Meister wird hat er schon einige Kinder und viele Schulden, so daß er nichts unternehmen kann, wozu eine bedeutende Auslage oder ein namhafter Kredit erfordert wird, und von der Hand zum Munde kümmerlich lebt, während sein christlicher Zunftgenosse, der freilich seine Laufbahn unter andern Auspizien betreten, in derselben Stadt zu Reichthum und Ansehen gelangt; denn es fehlt noch ziemlich an arbeitsamen und nochmehr an geschickten Händen, und gute Arbeit wird gut bezahlt. Dieser Stand ist es demnach vorzugsweise, in welchem die zahlreiche jüvische Bevölkerung Unterkommen und Nahrung finden könnte. Mit dem Ackerbau wird es immer schwer halten, und sollten auch neue gesetzliche Bestimmungen den Erwerb von Grundstücken noch so sehr erleichtern. Wie soll der Städter, dessen Vater und Großvater sich nie mit Feldbau beschäftigt, ohne Ackerbauschulen zum Landwirth und Landbauer sich bilden? Und wie soll nun gar der Arme einem Berufe sich widmen, in welchem er bei der bestehenden Robot nicht einmal als Taglöhner sein Leben fristen könnte? Als Handwerker hingegen steht der Jude auf festem Boden, und wird er höchstens in der Hauptstadt von den Zünften Hindernisse zu befahren haben, in den Landstädten hingegen kaum auf einen Nebenbuhler stoßen. Freilich müßte er, um seine Lage gründlich zu verbessern, aufhören, Notharbeiter zu sein, und es zur Meisterschaft in seinem Handwerke bringen. Bei der von den neuen Maßregeln der Regierung zu erwartenden Hebung der Landwirthschaft und des Bauernstandes werden auch die städtischen Gewerke einen neuen Aufschwung nehmen, und für ihre Erzeugnisse besseren Absatz finden. Manches Handwerk, das im Orte oder in der ganzen Gegend nicht nnzutreffen, wird sich mit reichem Erfolge betreiben lassen. Die Industrie im Großen durch Manufakturen und Fabriken, für welche vor der Hand die Kapitalien und Kräfte dem Lande noch ganz fehlen, wird allmählich naturgemäß aus den kleinen Gewerken sich entwickeln, an deren Gedeihen unter tüchtigen und thätigen Händen nicht zu zweifeln ist. Den Flor des Landes auf