Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-3184086--1573-3185685- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
30 Rückblick auf er als Vorstand der höchsten jüdischen Behörde am besten urtheilen könne. Er wies statistisch nach, daß die Zahl der Verbrecher unter den Juden eine im Verhältniß kleinere, als die unter den Christen sei; daß ferner die Zahl der unehelichen Kinder in keinem Verhältnisse zu der der christlichen Konfessionen Badens stehe. Eine besondere Wirkung machte das Votum des noch jugendlichen Abgeordneten Bassermann; in einer geist¬ und gemüthreichen, glänzenden Rede widerlegt er die Vorwürfe, die man den Juden macht; er berief sich auf die Zeugnisse der holländischen Minister, wovon er das vom Minister des Innern vorlas.*) Er bewies damit, daß erst durch Aufhören des Druckes, der auf den Juden lastet, die noch Zurückgebliebenen sich auf die Höhe der Zeit schwingen würden. Er wies darauf hin, wie noch kein jüdischer Arzt, Advokat oder Soldat wegen des Sabbats seiner Pflicht nicht nachgekommen sei, und daß man keine Neberflügelung von den Juden zu fürchten hätte, die am Samstag und Feiertag ihren Handel nicht betreiben, es diesen im Gegentheile schwer sein würde, mit den christlichen Kaufleuten zu konkuriren. Man werfe den Juden auf dem Lande den Vieh- und Nothhandel vor, und schneide ihnen die Mittel und Wege zu einem andern Erwerbe ab, schließe sie von der edelsten Laufbahn im bürgerlichen und staatlichen Leben auS. In einer kleinen Gemeinde sitzen oft viele jüdische Familien, die sich nicht alle durch Handwerke ernähren können, beisammen, der Boden gehörte seit langer Zeit den christlichen Bewohnern, für die er manchmal nicht ausreiche, und nahe dabei seien Orte, die keinen Juden aufnehmen, ein großer Theil der Gemeinde wandere aus, die Juden wollen zum Behufe des Bebauens die Güter kaufen, und werden abgewiesen; welcher specielle Fall im Wahlbezirke des Sprechers sich ereignet, zum Nachtheil der Juden einerseits, die dadurch gezwungen waren, den Nothhandel fortzutreiben, und der auswandernden Christen anderseits, die ihre Güter, wegen Mangels an Käufern, nicht auf den Werth brin- *) Siehe d. Iahrd. 2. Iahrg S. 26.