Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 82)
- Language
- German
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das Jahr 1846. 2b Meberweisung sämmtlicher Petitionen an die Staatsregierung beschloß. Heben wir noch Einiges aus der Debatte hervor. Der erste Redner war der Abgeordnete Christ, der der Regierungs-Commissarius im israelitischen Qberrath ist, also sin vollgültiges Urtheil hat; er setzte auseinander, wie es der badischen Kammer unwürdig gewesen, Beschlüsse, wie die bisherigen, Ln der Frage der Juvenemancipazion zu fassen, man habe immer von den Juden verlangt, daß sie einen Theil ihrer Religionsgesetze und Gebräuche der bürgerlichen Gleichstellung zum Opfer bringen, und so einen Tauschhandel machen sollten, der jedes Menschen unwürdig, und den sie zu ihrem Ruhme immer mit Indignation zurückgewiesen hätten. Welchen Beschluß die Kammer auch fassen möge, nur diesen möge sie nicht mehr .fassen, da er eben so entehrend, als unausführbar sei, worüber Das diesige israet. Waisenhaus erhielt vom 1. Nov. 1846 einen konfolidirten iahrl. Fond von 600 fl.C.Maus den Schächtergebühren i)er hiesigen Gemeinde, und werden noch immer die Zöglinge dieser Anstalt zur gewerblichen Betriebsamkeit sowohl hier als in Wien, inFolge Unterstützung des dortigen löbt.Handwerksvereines, ungehalten. — Bemerkenswerth ist die durch einen vorläufig ungenannt sein wollenden Wohlthater aus Brodp fundirte Stiftungssumme pr 7000 fl. C.M. für zehn bei der Iudenschasl ungewöhnliche Handwerke; die Hälfte des der Lemberger Gemeinde zuqcwendeten Stifrungskahitals im Betrage von 3500fl. C.M. hat derselbe dem k.k. Landespräsidium mit der Versicherung zur Verfügung gestellt, die zweite Hälfte in Balde nachzutragen. Auch die regelmäßig ein Asil für 180 Kinder bietende Kleinkinder-Bewahranstalt wird von der Gemeinde erhalten, wiewohl ihr seit einiger Zeit die früheren Unterstützungen aus öffentlichen Produktionen entzogen werden. Ein von unserem Violinvirtuosen,Hrn. Ernst am 20. Nov. 1845 für christl. und israelit. Wobltbätigkeits - Anstalten gegebenes Konzert brachte letzteren die stimme von 163 fl. 50kr. C. M. Die Strafgelder für den zu bildenden Armenfond betragen bis Ende Dezember 1846 die Summe von 1216 fl. C. M. Bei dem vielen und großen Elende einer so dichten und massenhaften Bevölkerung erfcheint zwar jede Hilfe nur eine dürftige, indessen werden diese materiellen Wohlrhaten doch zeitweise empfunden, wogegen die verfolgten geistigen Tendenzen für Iugendunterricht, Gewerbsbetriebsamkeit und Kultus, denen eine unversiegbare Strömung für Iahrbunderte gesichert ist, stets als Elemente einer bessern Zukunft in der Kultur- und Religions- Geschichte der galizischen Juden betrachtet werden dürften.